Spritzmittel aufÖkoflächen? Umweltverbände sehen Ziele des Greenings vor dem Aus.
ID: 989535
(NABU), die Naturschutzstiftung EuroNatur, der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutsche Verband für
Landschaftspflege (DVL) fordern die Bundesregierung auf, sich für ein
Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf "Ökologischen Vorrangflächen"
einzusetzen. Hintergrund ist ein Brief an die EU-Kommission. Darin
verlangen 23 EU-Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Italien und
Polen, Pestizide für den Anbau von Eiweißpflanzen auf Ökologischen
Vorrangflächen zuzulassen. Die Verbände kritisieren die Forderung
scharf: "Werden Spritzmittel auf diesen fünf Prozent der Ackerflächen
erlaubt, sind alle ernsthaften Bemühungen zu mehr Artenvielfalt in
der Landschaft ausgehebelt", so Josef Göppel MdB und Vorsitzender des
DVL.
Für NABU-Präsident Olaf Tschimpke nimmt das Greening mittlerweile
bizarre Formen an: "Schon die Anrechenbarkeit von Zwischenfrüchten
als Element von Ökologischen Vorrangflächen führt zu einer massiven
Verwässerung der eigentlichen Ziele. Jetzt soll auch noch der Einsatz
von Gift erlaubt werden." Lutz Ribbe, Direktor von EuroNatur, wird
noch deutlicher: "Man muss sich das klarmachen - Pestizide wären auf
Ökoflächen erlaubt und werden mit 30 Prozent der Direktzahlungen
gefördert. Das heißt, dass dieser Chemieeinsatz mit einem grünen
Deckmantel versehen wird und der Steuerzahler diesen auch noch
belohnen soll."
Die Verbände machen deutlich, dass sie ein Ausspielen der
Umweltziele - Eiweiß gegen Artenschutz - nicht zulassen. "Natürlich
brauchen wir eine schlüssige Eiweißstrategie in Europa. Das heißt,
mehr Eiweißpflanzen in der Fruchtfolge auf den 95 Prozent der
Ackerflächen. Es ist falsch, per Verordnung die ökologisch sinnvollen
Eiweißpflanzen aus der Fruchtfolge herauszunehmen und auf
Kleinstflächen im Umfang von allerhöchstens fünf Prozent der
Betriebsfläche zu verdrängen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium
muss sein Versprechen halten und dafür sorgen, dass der heimische
Eiweißpflanzenanbau nicht gegen den Artenschutz ausgespielt wird.
Pestizide gehören auf ökologischen Vorrangflächen verboten", so
BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.
Die Verbände unterstützen die klare Haltung der EU-Kommission, die
einer weiteren Verwässerung des an sich schon abgeschwächten
Greenings entgegen wirken will "Wenn das Greening mit derartigen
Inhalten ad Absurdum geführt wird, nützt dies weder der Natur, noch
einer zukunftsfähigen Agrarpolitik", so die Verbände. Kerninhalt des
Greenings innerhalb der Agrarreform ist die Einrichtung von
Ökologischen Vorrangflächen auf Äckern. Gefördert werden sollen zum
Beispiel Feldhecken, Saum- oder Blühstreifen sowie Pufferstreifen an
Gewässern. Damit will die EU den massiven Rückgang der Artenvielfalt
in der Feldflur stoppen. Besonders die Bestände von Feldvögeln,
Wildbienen und Wildkräutern befinden sich in einem beispiellosen
Rückgang.
Bereits die Anerkennung von Eiweißpflanzen, von Zwischenfrüchten
auf den Ökoflächen oder die Verrechnung der Flächen mit sogenannten
Gewichtungsfaktoren ist umstritten, da kaum positive Auswirkungen auf
die Artenvielfalt in der Feldflur zu erwarten sind. So würde
beispielsweise eine Fläche mit Maisanbau in Waldrandlage als
Ökologische Vorrangfläche gelten, weil sie durch den Waldrand einen
Gewichtungsfaktor erhält.
NABU, BUND, EuroNatur und DVL fordern deshalb die Bundesregierung
auf, sich im Europäischen Rat gegen die Forderungen der 23
Mitgliedsstaaten zu stellen und für ein Verbot von
Pflanzenschutzmitteln zu stimmen, sowie den Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln auf Ökologischen Vorrangflächen im Bundesgebiet
zu verbieten. Auch die Anerkennung von Zwischenfrüchten und das
Kleinrechnen der Vorrangflächen über Gewichtungsfaktoren muss
korrigiert werden.
Originaltext vom NABU
Pressekontakt:
Florian Schöne, NABU-Agrarexperte; Tel. 030-284984-1615; E-Mail:
Florian.Schoene@NABU.de, www.NABU.de
Lutz Ribbe, EuroNatur-Agrarexperte; Tel.: 02226-2045; E-Mail:
Lutz.Ribbe@euronatur.org, www.euronatur.org
Reinhild Benning; BUND Leiterin Agrarpolitik 030 275 86 - 481;
E-Mail: reinhild.benning@bund.net; www.bund.net
Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer DVL; Tel.: 0981-4653-3541;
E-Mail: metzner@lpv.de; www.landschaftspflegeverband.de
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Datum: 28.11.2013 - 11:13 Uhr
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