Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
2014 - Chancen und Risiken
Ein Jahr für Europa
THOMAS SEIM
ID: 1000654
ist ein Jahr, das uns die Chance bietet, Europa neu zu entdecken. Das
wird nötig sein, denn der europäische Gedanke hat viel von dem Reiz
verloren, den er lange Jahre für die breite Mehrheit der Europäer als
Garant für Freiheit, Handel und Wohlstand besaß. Auch für uns
Deutsche. Denn wir sind wieder wer. Zwar gingen uns vermeintliche
Gewissheiten verloren, zum Beispiel die, dass befreundete Nationen
wie Großbritannien oder die USA niemals das Telefon unserer
Bundeskanzlerin abhören würden. Aber Reformen haben Deutschland
ökonomisch wieder an die Weltspitze geführt. Vor uns liegt 2014 - das
Jahr der Fußball-WM in Brasilien. Am Tag vor Heiligabend, kurz vor
der Tagesschau, gab es zum ersten Mal die TV-Ansprache eines
"Fußballministers". Der Brasilianer Edson Arantes do Nascimento -
besser bekannt unter dem Namen Pelé - bat darin um Gnade. Als
Werbeblock für den größten deutschen Autokonzern bescheinigte er den
Deutschen, sie bauten schon die besten Autos, da dürften sie den
Brasilianern nicht auch noch den WM-Titel im eigenen Land streitig
machen. Witzig gemacht. Man schmunzelt und erwischt sich bei dem
Gedanken: So weit kommt's noch. Selbstverständlich wollen wir den
Titel. Was hat das mit Autos zu tun? Viel. Die Symbolik des starken
Deutschlands ist für uns selbst attraktiv. Unsere Nachbarn, die
schwachen vor allem, macht sie misstrauisch. Bundeskanzlerin Angela
Merkel neigt - wie viele deutsche Ökonomen und Politiker - dazu, aus
der ökonomischen Überlegenheit immer stärker auch politische Vorgaben
für unsere Nachbarn zu artikulieren, zuletzt beim vorweihnachtlichen
EU-Gipfel in Brüssel. Doch je stärker Deutschland die politische
Unterwerfung der Nachbarn aus dem wirtschaftlichen Erfolg der
Bundesrepublik ableitet, desto größer werden die Zentrifugalkräfte
der EU. Das war in Brüssel schon am Widerstand gegen Merkel zu
spüren. Ohne die EU aber verliert Deutschland. Der größte Teil des
deutschen Wachstums entsteht im Handel mit der EU. China ist ein
interessanter Markt, ja. Aber das Riesenreich mit weit über einer
Milliarde Menschen steigt derzeit zur ökonomischen Weltmacht auf.
Hinter China lauern Indien, Russland, Südafrika auf ihre Chance. Und
Brasilien. Deutschland mit seinen 80 Millionen Menschen wird in
dieser Konkurrenz nur mit der EU bestehen können. Die EU aber wird
nur zusammenbleiben, wenn es gelingt, die Interessen kleinerer
Staaten in einen Ausgleich mit denen der Schwergewichte zu bringen.
Je stärker ein Land - Deutschland - das ökonomische Zentrum der EU
wird, desto größer wird die Notwendigkeit, sich politisch höchstens
auf Augenhöhe mit den Nachbarn zu bewegen - ganz gleich wie groß sie
sind. Vor 100 Jahren haben die Europäer diese Maxime des Friedens
nicht beachtet. Das hat in einen verheerenden Krieg geführt und das
20. Jahrhundert zum brutalsten mit bis dahin ungekannten Opferzahlen,
Vertreibungen, Vernichtungswaffen gemacht. Zum 100. Jahrestag dieses
Kriegsbeginns sind wir von Freunden umgeben. Aber uns ist die
Empathie für die Basis dieses Friedens und dieser Freiheit verloren
gegangen: Das ist die EU. Vor uns liegt 2014 - das Jahr, in dem wir
das gestärkte Europaparlament neu wählen. Diese Wahl ist eine Chance,
nationale Egoismen zu beherrschen und die Grundlagen für die
Konkurrenzfähigkeit des alten Kontinents gegen neue Welten in Ost und
West zu bestätigen. Wenn das die Richtung der deutschen Politik 2014
ist, dann wird es unseren Nachbarn in Europa leichter fallen, Pelés
"Gnadengesuch" abzulehnen - und Deutschland zum WM-Titel zu
gratulieren.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.12.2013 - 20:40 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1000654
Anzahl Zeichen: 4117
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 3049 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
2014 - Chancen und Risiken
Ein Jahr für Europa
THOMAS SEIM"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Verdi-Chef sieht Angriff auf alle Bereiche des Sozialstaats ...
Bielefeld. Der Chef der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, Franke Werneke, warnt davor, Reformen auf dem Rücken der Beschäftigten durchzusetzen. "Es gibt gerade einen Angriff auf praktisch alle Bereiche des Sozialstaats - auf Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Rheinische Post: Kommentar / Teures Jahr 2014 = Von Antje Höning ...
So zuverlässig wie das Feuerwerk zum Jahreswechsel sind auch die Preiserhöhungen für Verbraucher. 2014 langen vor allem die früheren Monopolisten zu: Die Post erhöht erneut das Briefporto. Nachdem 2013 der große Protest ausgeblieben war, ist der gelbe Riese offenbar auf den Geschmack gekomm
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Michael Schumachers Skiunfall Ohne Sonderstatus Gerhard Müller ...
Das verheerende Seebeben im Indischen Ozean am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004 mit rund 230.000 Toten hat Michael Schumacher vor neun Jahren gerührt. 7,5 Millionen Euro spendete der siebenfache Formel-1-Weltmeister für die Opfer. Davon blieben zwei Botschaften: "Schumi" leb
Rheinische Post: Kommentar / Zuwanderung hilft = Von Birgit Marschall ...
Die Debatte über Armutsflüchtlinge aus Bulgarien und Rumänien droht den Blick darauf zu verstellen, dass die Zuwanderer der deutschen Volkswirtschaft insgesamt guttun. Sie sind im Schnitt deutlich jünger als die deutsche Bevölkerung, sie beziehen seltener Renten, sie zahlen Steuern und Sozial
Lausitzer Rundschau: Provokation mit Tradition Zur Debatteüber Armutszuwanderung nach Deutschland ...
Die Union war noch nie um eine provokante Aktion verlegen, wenn es um Ausländer ging. Was aktuell bei der CSU Anstoß erregt ("Wer betrügt, der fliegt"), gipfelte bei der CDU in Nordrhein-Westfalen schon vor Jahren in dem Spruch "Kinder statt Inder". Erinnert sei auch an ei




