Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Deutsche Bank
Kredit aufgezehrt
Stefan Schelp
ID: 1007683
galt lange Jahre als Sympathieträger des Kredithauses. Beim
Bielefelder Neujahrsempfang der Bank bekam er Jahr für Jahr den
wohlwollenden Applaus der Kundschaft. Das war zwar auch in diesem
Jahr in der vergangenen Woche nicht anders. Aber das
Locker-Entspannte der vergangenen Auftritte ist dahin. Wer wollte,
konnte es spüren. Und Fitschen selbst hat es natürlich auch bemerkt:
Der Kredit ist aufgezehrt. Die Geduld mit Deutschlands größter
Geldbank schwin-det. Da kann Fitschen noch so oft verkünden, die
negativen Schlagzeilen zur Deutschen Bank seien Schlagzeilen der
Vergangenheit. Da kann aus Frankfurt noch so oft verlauten, ebendiese
Schlagzeilen könnten das Haus nicht schrecken, weil die Dinge ohnehin
längst bekannt seien. Dafür sind es inzwischen einfach zu viele
Dinge, die die Deutsche Bank in Erklärungsnöte bringen. US-Hypotheken
aus den Zeiten der Finanzkrise, Manipulationen beim Libor-Zins,
Schiebereien bei Devisenkursen, die Mitschuld an der Pleite des
Kirch-Konzerns - überall ist die Deutsche Bank dabei. Für diese
offenen Posten hat das Bankhaus Milliarden von Euro zurückgelegt.
Geld, das die Banker natürlich viel lieber als Gewinn ausgewiesen
hätten. Auch wenn die Verfehlungen die Schlagzeilen der Vergangenheit
sind, sorgen sie doch dafür, dass die Zahlen der Gegenwart schlecht
aussehen. So schlecht, dass die Börse darauf mit merklichen
Kursverlusten reagiert. Dass die Bank diese Zahlen anderthalb Wochen
früher veröffentlicht hat als geplant, spricht in diesem Zusammenhang
Bände. Die Last der Vergangenheit sollte offenbar abgeräumt werden.
Zu ihrem Amtsantritt haben Fitschen und sein Ko-Vorstand Anshu Jain
einen Kurswechsel versprochen. Kulturwandel nennen sie den großen
Plan, der die Deutsche Bank endlich wieder nach vorn bringen soll.
Für diesen Kulturwandel ist es jetzt wahrlich an der Zeit.
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Datum: 20.01.2014 - 20:30 Uhr
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