„Lehrerpersönlichkeiten am stärksten in der Erinnerung“ – Interview mit Nobelpreisträger und Waldorfalumnus Prof. Südhof
Pressemitteilung, 17.02.2014
Berlin/Hamburg, 17. Februar 2014/CU. Das frühe Erlernen abfragbarer Leistungen wirkt sich nicht positiv auf die intellektuelle und geistige Entwicklung von Schülern aus. Hierin stimme er der Auffassung der Waldorfpädagogik „vollständig zu“, betonte Nobelpreisträger und Waldorfalumnus Prof. Dr. Thomas C. Südhof im Interview in Berlin.
Südhof, der 2013 mit zwei Kollegen zusammen für die Erforschung der Kommunikation zwischen den menschlichen Zellen mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde, ist Absolvent der Waldorfschule Hannover-Maschsee, die er bis zum Abitur 1975 besuchte. Seit 1983 lebt und forscht er in den USA.
Auf die Frage, was er jungen Leuten heute empfehlen würde, die wie er damals nach dem Abitur nicht wüssten, welchen Berufsweg sie einschlagen sollten, meinte Prof. Südhof: „Sie sollten das machen, was sie wirklich interessiert und weniger nach Jobs und der Zukunft fragen“. Auch jungen Wissenschaftlern, die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen, rate er stets, in erster Linie ihren Interessen und Neigungen zu folgen.
Er selbst habe sich zunächst das Medizinstudium gewählt, weil es ihm viele Möglichkeiten eröffnet habe und der Beruf des Arztes ihm sinnvoll erschienen sei. Erst im Lauf des Studiums habe er sich für den Weg des Wissenschaftlers entschieden, weil er in der Medizin starke Unzulänglichkeiten erlebt habe: „Die Medizin versteht nicht, wie Krankheiten entstehen. Das war der Ausgangspunkt für mein Forschungsinteresse.“
Auf die Frage, was ihm von seiner Waldorfschulzeit am stärksten in Erinnerung geblieben sei, nannte Südhof vor allem die Persönlichkeiten der Lehrer. „Es waren sehr viele verschiedene Lehrer, die eigene Auffassungen hatten, aber auch die Toleranz, sie mit uns zu diskutieren“. Die Begegnung mit diesen Lehrern beeindrucke ihn noch heute. Da sei z.B. sein Klassenlehrer gewesen, der viel von seiner früheren Ausbildung als Geograph erzählt habe und davon, wie er als Forscher in Spitzbergen überwintert habe. „Das ist mir noch ganz stark im Gedächtnis“, sagte Südhof. Außerdem habe er in der Oberstufe mit den Lehrern immer wieder über Sinn und Zweck der Eurythmie debattiert.
In der Waldorfpädagogik sieht Südhof „viele Stärken“, die wichtigste sei die Erziehung zur Unabhängigkeit. „Dass man selber initiativ wird, das hat auch mit Kreativität zu tun“, meinte er. Später sei es nicht so wichtig, was man könne, sondern dass man Initiative ergreife und tatsächlich selber tätig werde. Einen weiteren Pluspunkt der Waldorfschule sieht der Wissenschaftler in ihrem Gesamtschulcharakter, der Schüler nicht zu früh selektiert. Verbesserungswürdig findet er im Rückblick auf die eigene Schulzeit den Dialog der Waldorfschulen mit ihrem Umfeld.
Gefragt nach den wichtigsten Aufgaben der Wissenschaft im 21. Jahrhundert verwies der Nobelpreisträger – neben Klimawandel und durch Überwachung bedrohte Meinungsfreiheit – auf die Erforschung der Krankheiten des Nervensystems. Hier zeige sich erheblicher Forschungsbedarf sowohl bei den Jugendlichen mit Autismus, Depression und Schizophrenie als auch bei den älteren Menschen mit Alzheimer oder Parkinson. „Das ist eine wahnsinnige Herausforderung, weil wir nicht wirklich verstehen, was da passiert.“
Am Ende des Gesprächs standen Erfahrungen von Südhof mit den „Alumni Clubs“ in den USA, da auch bei den Waldorfschulen derzeit ein Alumni-Netzwerk im Aufbau begriffen ist. Diese Einrichtungen seien „extrem hilfreich“, betonte der derzeit berühmteste Waldorf-Alumnus, weil man Menschen aus Schule und Studium einfach am besten kenne und sie oft zu den engsten Freunden gehörten. Dies hänge auch mit der Struktur des Gedächtnisses zusammen, das Zeit in verschiedenen Lebensaltern anders erlebe, erläuterte der Neurochemiker.
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die derzeit 232 deutschen Waldorfschulen haben sich zum Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen, wo 1919 die erste Waldorfschule eröffnet wurde. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr.
Celia Schönstedt
Pressesprecherin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bund der Freien Waldorfschulen
Kaiser-Wilhelm-Str. 89, 20355 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 34107699-3
e-Mail: pr(at)waldorfschule.de
Datum: 17.02.2014 - 16:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1020590
Anzahl Zeichen: 4255
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Celia Schönstedt
Stadt:
Hamburg
Telefon: 040 341076993
Kategorie:
Forschung
Meldungsart: Unternehmensinformation
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 17.02.2014
Diese Pressemitteilung wurde bisher 943 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"„Lehrerpersönlichkeiten am stärksten in der Erinnerung“ – Interview mit Nobelpreisträger und Waldorfalumnus Prof. Südhof"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bund der Freien Waldorfschulen e.V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Waldorfgemeinschaft mit rund 270 anwesenden Schulvertreter*innen und persönlichen Mitgliedern würdigte und verabschiedete die scheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Susanne Speckenbach, Franz Glaw und Dr. Albrecht Hüttig. Gleichzeitig entschieden die Wahlberechtigten sich für die drei neuen Vor
Sonderschau der Waldorfschulen auf der didacta 2017 ...
Am Stand der Waldorfschulen und -kindergärten können sich Interessenten über Zulassungsvoraussetzungen, Fächer und Wege zur Waldorflehrerbildung informieren. Insgesamt stehen in Deutschland elf Studienorte für Voll- und Teilzeitausbildungen zur Verfügung. WaldorflehrerInnen sind einer neueren
Bund der Freien Waldorfschulen plädiert für Digitalpakt-Alternative ...
„Als pädagogischer Dachverband setzen wir uns dafür ein, die Unterrichtshoheit des Lehrers zu wahren, nach der er Lernstoff und Methodik dem Lebensalter der Kinder anpasst, so dass ihre Entwicklung zu selbstständigen Persönlichkeiten gefördert wird. Daraus folgt für uns in den ersten Schulja
Weitere Mitteilungen von Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Zusätzliche alternative Behandlungsmöglichkeiten gegen bösartige Hirntumore in Sicht? ...
Deisenhofen, im Februar 2014.- Einen wichtigen Meilenstein in der Suche nach neuen Behandlungsoptionen im Kampf gegen bösartige Hirntumore soll ein von der ISUS Stiftung in Deisenhofen für drei Jahre gefördertes Forschungsprojekt setzen: Unter der Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Ulrike Naumann (H
Frauen und Männer nicht gleich: Warum wir auf Medikamente verschieden reagieren ...
Wer krank ist, geht zum Arzt und wird je nach Diagnose mit einem bestimmten Wirkstoff behandelt. Meist spielt es dabei keine Rolle, ob der Patient männlich oder weiblich ist. Doch Frauen ticken anders als Männer: „Sowohl ihr Organismus als auch ihr gesamter Stoffwechsel ist unterschiedlich konzi
Mehr Sicherheit für Demenzkranke: RoamAlert von STANLEY Healthcare ...
Tuttlingen, 23. Dezember 2013 – STANLEY Healthcare, ein weltweiter Anbieter von Schutz-, Sicherheits- und operativen Effizienzlösungen für die Gesundheitsbranche, launcht die Lösung RoamAlert Wander Management in Europa. Damit werden Hospitäler und Pflegeeinrichtungen bei der Betreuung von Dem
Biomay AG schließt Zwischenauswertung einer Phase IIb Studie mit dem innovativen Gräserpollenallergie-Impfstoff der dritten Generation erfolgreich ab ...
“Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen dieser Interimanalyse mit unserem in der Entwicklung am weitesten fortgeschrittenen Produkt BM32”, kommentierte Rainer Henning, CEO von Biomay, “das Erreichen dieses Meilensteins ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Validierung unser Peptid-Car




