Neue OZ: Kommentar zu Prozesse / Affären / Wulff
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Warum trat Christian Wulff zurück? Dass es so weit kam, daran war
er nicht unschuldig. Aber im Grunde hatte der Präsident keine Chance.
Dies lag nicht an seinen echten oder vermeintlichen Verfehlungen.
Denn: Linksorientierte Kreise lehnten ihn schon wegen seines
parteipolitischen Profils ab. Im bürgerlichen Milieu hätten viele von
Beginn an Joachim Gauck für das Amt bevorzugt. Andere blieben nicht
unbeeindruckt vom medialen Trommelfeuer und wandten sich ab. Weitere
nahmen dem Niedersachsen seine tolerante Haltung gegenüber dem Islam
übel, wieder andere den zunehmend lockeren Lebenswandel.
Was Wulff fehlte, war somit weniger das Gespür für den richtigen
Umgang mit der Krise. Es war vielmehr die gesellschaftliche
Rückendeckung, und dies in einer Zeit, in der die Stimmung zwar nicht
erstmals, wohl aber in selten gesehener Wucht durch Häme und Hass im
Internet beeinflusst wurde. So genügten Lappalien, um ihn zu Fall zu
bringen.
Hat die Gesellschaft seither dazugelernt? Wohl nicht. Im Fall
Edathy werden Grundsätze von Rechtsstaat und Anstand ebenso verletzt.
Dabei machen sie nur Sinn, wenn sie immer und unabhängig von Person
und Vorwurf bestehen. Der Blick für die menschlichen Folgen solcher
Vorgänge, die ein Leben zerstören können, scheint nicht geschärft zu
sein, das Mitgefühl schon gar nicht. Dabei sollte dies so sein, ganz
unabhängig von Wulff, ganz unabhängig vom Urteil in Hannover.
Burkhard Ewert
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Datum: 26.02.2014 - 22:00 Uhr
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