WAZ: Putin lügt sich die Wunden schön. Kommentar von Ulrich Reitz
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russischen Raub der Krim als "Wiedervereinigung" hinzunehmen, denn
Russland habe schließlich auch die deutsche Wiedervereinigung
rückhaltlos unterstützt. Das freilich ist eine glatte Lüge. Als der
damalige Kanzler Kohl Anfang 1990 seinen Zehn-Punkte-Plan zur
Wiedervereinigung veröffentlichte, protestierte Russlands Gorbatschow
gegen diese Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR.
Später dann versuchte der Sowjet-Führer, sich mit Frankreichs
Mitterrand und Großbritanniens Thatcher - beide lehnten die deutsche
Wiedervereinigung anfangs ab - zu verbünden. Im Berliner
Kontrollratsgebäude sollte eine neue, alte Plattform zur Kontrolle
der deutschen Frage entstehen. Verhindert hat das der amerikanische
Präsident Bush (der Ältere). Als einzige der Siegermächte
unterstützten die Amerikaner die Wiedervereinigung. Russland war
dagegen, musste aber klein beigeben. Weshalb? Die DDR war pleite, sie
hätte im Frühjahr 1990 einen Milliardenkredit (15 Milliarden Mark)
gebraucht, den Kohl ihr klugerweise verweigerte. Die Sowjetunion war
aber gleichfalls pleite, ihr fehlten nach westlichen Schätzungen 90
Milliarden Rubel. Moskau hatte kein Geld, um der DDR zu helfen. Zur
selben Zeit war die Sowjetunion nicht nur wirtschaftlich, sondern
auch politisch am Ende. Im Zeichen der Glasnost-Reform regten sich in
Georgien, Armenien, Litauen und der Ukraine nationale
Unabhängigkeitsbewegungen. In der CSSR und in Bulgarien brachen die
kommunistischen Regierungen zusammen. Im Januar 1990 forderte Polens
Walesa den Abzug der sowjetischen Truppen. Mit anderen Worten:
Russland stimmte damals nicht, wie von Putin behauptet, vorbehaltlos
und aus Respekt für die Selbstbestimmung der Deutschen für
Deutschlands Einheit, sondern, weil es politisch und wirtschaftlich
zu schwach war, das Ganze zu verhindern. Gorbatschow handelte für
seine Kapitulation Anfang September 1990 einen deutschen Kredit von
15 Milliarden DM aus. Um den damaligen Zusammenbruch geht es Putin
heute wieder. Er empfindet das, wie die meisten Russen wohl, als
nationale Schmach. Auf der Krim steht ein blutender Bär.
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Datum: 18.03.2014 - 19:07 Uhr
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