neues deutschland: Karlsruher Urteil zum ZDF: Facettenreich
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ZDF-Gremien ist eine deutliche Klatsche für die langjährige
Selbstgerechtigkeit des schwarz-roten Parteienkartells. Das Urteil
gibt zudem Anlass, sich grundsätzlich mit der Beschaffenheit einer
Öffentlichkeit auseinanderzusetzen, deren politische Signatur sich
seit Jahrzehnten selbst reproduziert hat: Was Mehrheitsperspektive
ist, blieb Mehrheitsperspektive, solange die Entscheidungen über
Köpfe und Inhalte, die die Perspektive mitformten, selbst nichts
anderes waren als ein Ausfluss dieser Mehrheitsperspektive. Wird das
nun anders? Damit die res publica öffentlich-rechtlicher Rundfunk
nicht länger Interessenklub weniger bleibt, sollen die Gremien
künftig »die verschiedenen politischen Strömungen« berücksichtigen.
Das klingt bürokratisch und wird allein nicht ausreichen, um mit der
partei- und politischen Einseitigkeit Schluss zu machen - und mit
jenem noch weit schlimmeren Trend zum flachen Erbauungsfernsehen, das
mit seinem Unterhaltungsimperativ jede Frage nach politischer
Programmgestaltung praktisch ohnehin verhöhnt. Der
öffentlich-rechtliche Rundfunk soll die in der Gesellschaft
vertretenen Meinungen »facettenreich widerspiegeln«, meint Karlsruhe.
Richtig so. Für eine andere, neue Fernsehwirklichkeit, braucht es
allerdings mehr als Gerichtsentscheidungen zur
Gremienzusammensetzung. Zum Beispiel mündige Zuschauer, die
tatsächlich etwas zu sagen haben. Diese Herausforderung wird man
nicht Karlsruhe überlassen können.
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Datum: 25.03.2014 - 18:16 Uhr
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