Kölner Stadt-Anzeiger: Wallraff bestreitet Befangenheit bei Fast-Food-Recherche
ID: 1057538
bei einer Recherche zu den Arbeitsbedingungen in der
Fast-Food-Branche befangen gewesen zu sein. Honorarzahlungen von
mehreren Tausend Euro und eine Kooperation mit dem Unternehmen
stünden in keinem Zusammenhang mit jüngsten Vorwürfen gegen den
McDonald's-Konkurrenten Burger King, sagte Wallraff dem "Kölner
Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). Das Thema sei nicht von ihm,
sondern von einem Mitarbeiter seines Teams vorgeschlagen worden. Er
selbst habe in der Vergangenheit McDonald's wie auch andere
Unternehmen mit konkreten Vorwürfen konfrontiert und in Einzelfällen
Betroffenen zu ihrem Recht verhelfen können. "Ich habe zwei Mal auf
McDonald's Veranstaltungen referiert. Beide Male habe ich mir in
meiner grundsätzlichen Kritik an der Fast-Food-Unkultur und auch an
McDonald's keine Zurückhaltung auferlegt." Er sehe zudem "nichts
Verwerfliches darin, Honorare, die andere in der Regel für sich
beanspruchen, an eine wegen ihrer Meinungsäußerung gekündigte
Betriebsrätin weitergeleitet zu haben oder für gemeinnützige
Stiftungszwecke zu verwenden". Wie das Nachrichten-Magazin "Der
Spiegel" berichtet, erhielt Wallraff in den Jahren 2010 und 2011
wiederholt mehrere Tausend Euro als Honorar für eine Beratung zu den
Arbeitsbedingungen in der Branche sowie für ein Schulungsvideo und
einen Mitarbeiter-Fragebogen. Hintergrund der Zusammenarbeit soll ein
Strategiewechsel bei McDonald's gewesen sein. Der Branchenriese sei
nach heftigen Anschuldigen Wallraffs offenbar bemüht gewesen, die
schlimmsten Missstände zu beseitigen. Nach einem Aufsehen erregenden
Beitrag des "Teams Wallraff" im TV-Sender RTL über schlechte
hygienische Zustände und Ausbeutung in Burger-King-Filialen des
Franchise-Unternehmens Yi-Ko vor zwei Wochen hatte Wallraff unter
anderem gesagt, bei McDonald's seien die Bedingungen besser. Wie
Wallraff weiter erläuterte, sei das Schulungsvideo zwar produziert,
aber anschließend nicht genutzt worden, "weil meine Äußerungen darin
offenbar zu satirisch und provokant waren". Für seine Mitwirkung sei
ihm das "übliche Honorar" von 5000 Euro angeboten. Er habe es der
Betriebsrätin einer Bäckerei zukommen lassen, der wegen einer
kritischen Stellungnahme von ihrem Arbeitgeber gekündigt worden war.
Die Unterlagen, die der "Spiegel"-Veröffentlichung zugrunde lägen,
seien älteren Datums und "von einem ehemaligen Mitarbeiter aus meinen
Büro entwendet worden". In der Angelegenheit habe der "Spiegel" vor
Jahren schon einmal recherchiert, es sei damals aber zu keiner
Veröffentlichung gekommen. Ihm selbst stehe das Material nicht mehr
zur Verfügung, so Wallraff.
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