Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Protesten bei Sportereignissen
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Welt auf sich. Was liegt also näher, als seit langem schmorende
Probleme ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Bei den Olympischen
Spielen in Peking waren es vor allem Menschenrechtsverletzungen, die
Tibet-Politik des kommunistischen Landes und die Zwangsumsiedlung von
mehr als 1,5 Millionen Menschen wegen der Spiele, die angeprangert
wurden. In Sotchi an der Schwarzmeerküste richteten sich die
Proteste gegen das Vorgehen Russlands in der Ukraine und vor allem
auch gegen die Diskriminierung Homosexueller. Und in Brasilien kam es
anlässlich der Fußball-WM zu massiven Auseinandersetzungen zwischen
Polizei und Teilen der Bevölkerung, die Korruption und soziale
Missstände öffentlich machten. Bei allen genannten Beispielen war es
jedoch in ersten Linie die Zeit vor den sportlichen Entscheidungen,
die für Proteste genutzt wurde. Sobald es um Medaillen geht, wenn der
Ball erst rollt, dann hat die Welt die Athleten im Blick. Dann soll
gefeiert werden. Während in Peking und Sotchi im Lauf der Spiele
zumindest noch vereinzelt und verhalten protestiert wurde, gab es in
Brasilien nach dem Anpfiff zum ersten Spiel quasi keine
Demonstrationen und erst recht auch keine der gewalttätigen
Auseinandersetzungen mehr. Alles gut also? Mitnichten! Die Probleme
und Sorgen sind geblieben, wenn nicht gar größer als zuvor. Die Hatz
auf Gegner des kommunistischen Regimes in China hat an Schärfe eher
zugenommen, Menschenrechtsverstöße sind an der Tagesordnung. In
Russland hat sich Putin keinen Deut von seiner Marschroute abbringen
lassen. In der Ukraine zeigt er sich weiterhin eher unnachgiebig,
Homosexuelle werden nach wie vor drangsaliert. Spätestens kurz vor
der Fußball-WM 2018, die in elf Städten im europäischen Teils
Russlands stattfindet, werden diese Missstände erneut hochkochen. Und
in Brasilien beherrscht die Korruption weiterhin das öffentliche
Leben. Viele Millionen Menschen leben unter ärmsten Bedingungen in
den Favelas am Rand der Millionenmetropolen, immer in der Hoffnung,
dass die illegal errichteten Behausungen nicht gleich wieder von
Bulldozern abgerissen werden. Die Bewohner arrangieren sich mit
Drogenhändlern und anderen Kriminellen, die in diesen Vierteln das
Sagen haben und oftmals mehr Vertrauen genießen, als die häufig
korrupten Polizisten. Da ist es auch zu verstehen, dass von Seiten
vieler Brasilianer das Debakel der eigenen Mannschaft nicht allzu
sehr beklagt wird. Wäre die Seleçao Weltmeister geworden, hätte sich
das die Politik als Erfolg ans Revers geheftet. So aber dürfte
angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele 2016 in dem Land der
Proteststurm nur kurzzeitig an Kraft verloren haben.
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Datum: 14.07.2014 - 21:05 Uhr
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