Weser-Kurier: Zum Straßenbau mit Kopfsteinpflaster schreibt Silke Hellwig:

Weser-Kurier: Zum Straßenbau mit Kopfsteinpflaster schreibt Silke Hellwig:

ID: 1107667
(ots) - Vielleicht ist es ein bisschen bösartig, bestimmt
aber auch ein bisschen wahr: In Bremen kann man mitunter den Eindruck
gewinnen, dass logischer Menschenverstand so ungefähr das Letzte ist,
das in einer Debatte den Ausschlag geben darf. Nicht anders sind
zumindest manche Diskussionen um die Sanierung von Straßen mit
Kopfsteinpflaster zu verstehen, die in Bremen schon seit vielen
Jahren Tradition haben. Nun ist es nicht so, dass die Befürworter -
darunter beispielsweise Ortsbeiräte und Anwohner - keine guten
Argumente hätten: Kopfsteinpflaster mache nicht nur was her, sondern
sei auch eine Form des Denkmalschutzes. Absolut; deshalb gibt es in
Bremen ein eigenes Kataster, das dazu dient, gewisse Pflasterstraßen
vor Asphaltmaschinen zu schützen. Doch für alle Straßen, die dort
nicht aufgeführt sind, muss in einer Stadt wie Bremen gelten:
Vernunft vor Schönheit. Und Kopfsteinpflaster-Straßen sind ungefähr
so vernünftig wie Stöckelschuhe - also gar nicht. Sie sind
unpraktisch: Sie erzeugen mehr Lärm als Asphaltstraßen, und
andernorts bemüht sich Bremen, Anwohner vor Verkehrslärm zu schützen.
Als gefährlicher gelten Steinstraßen auch. Der ADFC will Asphalt,
Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen wollen Asphalt, Skater
vermutlich auch. Alles das kann man selbstverständlich ignorieren
oder - in der Abwägung - geringer schätzen. Doch da ist ja noch eine
Kleinigkeit: Bremen ist seit mindestens 25 Jahren hoch verschuldet,
inzwischen höchst verschuldet. Das alleine ist schon bitter, und man
staunt, dass es in der Vergangenheit möglich war - wenngleich nach
langen Diskussionen - die erheblichen Mehrkosten für
Kopfsteinpflaster auf sich zu nehmen. Seit 2009 gibt es aber
bekanntlich die Schuldenbremse, die Bund und Ländern mehr oder
weniger deutlich verbietet, sich ungehemmt weiter zu verschulden.


Dabei gibt es Ausnahmen wie Katastrophen und Konjunktureinbrüche.
Ästhetische Ansprüche an Straßenbeläge gehören nicht dazu. Man mag
(wie bei vielen ähnlichen Themen) einwenden, dass Bremens Finanznot
ein Totschlagargument ist. Fürwahr, man kann die Finanzlage auch
ignorieren, sich schicke Straßen leisten und - in Schönheit sterben.



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Datum: 12.09.2014 - 20:37 Uhr
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