Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zum Umbruch in der deutschen Parteienla

Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zum Umbruch in der deutschen Parteienlandschaft

ID: 1111436
(ots) - Politische Momentaufnahmen im Herbst 2014:
CDU-Chef Horst Seehofer ruft, wie nebenbei in einem Interview, Angela
Merkel zur nächsten Kanzlerkandidatin der Union für 2017 aus. Ja, wen
sollten sie denn sonst nehmen? SPD-Chef Sigmar Gabriel übt gestern
den Schulterschluss mit dem abgehalfterten Grünen-Spitzenmann Jürgen
Trittin. Man kann sich Rot-Grün-Rot nach 2017 offenbar vorstellen.
Die deutschnationale und euro-kritische "Alternative für Deutschland"
(AfD) holt zweistellige Ergebnisse in Brandenburg und Thüringen. Und
in Erfurt wird womöglich ein schwarz-rot-grünes Bündnis gebastelt.
Man nennt die neueste Farbkombination bereits Afghanistan-Koalition.
Mit einer Jamaika-Koalition - Union, Grüne und FDP - wird es aus
bekannten Gründen nichts. Das deutsche Parteiensystem befindet sich
in einem Umbruch unbekannten Ausmaßes. Und das liegt beileibe nicht
nur an der aufmüpfigen AfD, die sich als wichtigste Protestpartei
geriert und von rechts bis links Wählerstimmen absaugt. Währenddessen
säuft die Piraten-Partei, die noch vor zwei, drei Jahren flott
Landtage enterte, gnadenlos ab. Womöglich war die Bewegung nichts
weiter als eine Sternschnuppe am deutschen Polit-Himmel. Nach einem
kräftigen Aufleuchten schnell wieder verglüht. Die von zahlreichen
Professoren getragene AfD könnte dagegen länger als die jugendliche
Piraten-Partei auf der politischen Szenerie verweilen. So oder so
laufen derzeit interessante Entwicklungen ab, auf welche die beiden,
einst großen, Volksparteien, CDU/CSU sowie SPD, noch keine adäquate
Antwort gefunden haben. Im Fall der AfD amüsiert eher das muntere
Schwarze-Peter-Spiel. CDU und CSU erklären die Alternative flugs zum
Problem für alle Parteien, wobei die Konkurrenz von Rechts schon
kräftig im Revier der in die Mitte gerückten Merkel-Union "wildert".
Die SPD sieht die Lucke-Partei dagegen ausschließlich als Fall für


die Union an. Hilflos und ziemlich unsinnig ist beides. Und beiden
liegt das Missverständnis zugrunde, Wähler und Wählerinnen "gehörten"
einer Partei. Das stimmt natürlich nicht. Es gibt keine Erbhöfe und
immer weniger jener Menschen, die man früher "Stammwähler" nannte.
Heutige Wähler sind sprunghafter, vielleicht auch pragmatischer und
weniger ideologisch festgelegt als noch vor ein, zwei Jahrzehnten.
Linke Politiker verzweifeln über Parteigrenzen hinweg schier an dem
Phänomen, dass eine klare Mehrheit der Menschen, abstrakt gefragt,
für mehr Gerechtigkeit, Klimaschutz, bessere Bildung für alle, also
vorgeblich "linke" Themen seien, dann an der Wahlurne aber vor allem
konservativ und rechts wählten. Offenbar sind es vor allem die Werte
und die Personen, die eine Partei verkörpert, die sie anziehend und
wählbar macht. Die vertrauenswürdige Angela Merkel mit einer eher
müden Union hängt die emsig mitregierende SPD mit einem einst so
sprunghaften Parteichef Sigmar Gabriel glatt ab. Wenn die AfD Sorgen
der Menschen genauer - oder überhaupt erst - artikuliert als
etablierte Parteien, dann kann das für den demokratischen Wettbewerb
nur gut sein. Merkel und Seehofer wollen nun mit "guter Politik"
gegen die Euro-Kritiker gegenhalten. Donnerwetter, das hätte ihnen
aber auch ohne die Herausforderung durch die AfD einfallen können.
Gleichwohl erzwingen Protest-AfD, konservative Freie Wähler,
machtbewusst-fundamentale Linke, enttäuschte Grüne oder die fast
verschwundene FDP geradezu eine neues Nachdenken über mögliche
Regierungsbündnisse. Die Alternative wäre nur eine: immer wieder eine
große Koalition.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  DER STANDARD-Kommentar: Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig zur Diskussion um Grundschul-Noten
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.09.2014 - 19:35 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1111436
Anzahl Zeichen: 4034

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 184 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zum Umbruch in der deutschen Parteienlandschaft"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


DER STANDARD-Kommentar: "Progressive Asylquartier-Paralyse" von Irene Brickner. ...
Sucht man derzeit nach einem Beispiel für eine völlig verfahrene Situation: im fortgesetzten Konflikt um die Asylwerberunterbringung in Österreich findet man es. Aktuell ist in diesem bereits jahrelang währenden Streit nun die Phase progressiver Paralyse angebrochen. Die bestehenden Bewegungsspi

Rheinische Post: Mittelstand der Union unterstützt Jens Spahn für Partei-Präsidium ...
Der Bundesvorstand der Mittelstandsvereinigung der Union hat einstimmig den 34-jährigen Gesundheitsexperten Jens Spahn für einen Platz im CDU-Präsidium nominiert. Das erfuhr die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" (Dienstagausgabe) aus Kreisen der Vereinigung. Damit verzic

neues deutschland: Demut fristlos ...
Vier oder fünf Jahre Wahlperiode? Bundestagspräsident Norbert Lammert sieht eine - parlamentarische - Mehrheit für die Fristverlängerung; die erwarteten Mehrheiten in der Bevölkerung werden vermutlich von diversen Umfrageinstituten bald nachgereicht. Eine These sei schon mal geäußert: Der

Rehberg: Stationäre und ambulante Pflege gleichwertig behandeln/CDU-Abgeordneter unterstützt bpa-Bemühungen zur Aufwertung des Pflegeberufes ...
Nach einem Besuch im Wohn- und Pflegezentrum "Am Walde", einer Mitgliedseinrichtung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) in Lohmen, hat der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU) die Bedeutung der stationären Pflege betont. "Die Pflege ist e


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z