Mittelbayerische Zeitung: Störfaktor Söder / CSU-Chef Seehofer gelingt es immer weniger, seinen machtbewussten Kronprinzen zu bändigen. Leitartikel von Christine Schröpf
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als Ministerpräsident über 2018 hinaus zu verlängern, ist Teil des
Duells Seehofer gegen Söder. Der ehrgeizige CSU-Kronprinz hat seinen
Parteichef in den vergangenen Tagen an vielen Fronten provoziert. Mal
stellte er öffentlich den Koalitionsvertrag in Berlin in Frage. Mal
warf er Seehofers Mautvollstrecker Dobrindt mit der Idee zu einer
Mautbehörde in Ostbayern zusätzliche Knüppel zwischen die Füße. Mal
lancierte Söders Umfeld, man möge der glücklosen Konkurrentin und
Energieministerin Ilse Aigner kräftiger einheizen. Und selbst Söders
Auftritte im CSU-Vorstand sind gelebte Sticheleien. Erst war er nicht
da, dann war er da, dann war er wieder nicht da, ätzt Seehofer nach
der letzten Sitzung. Der Machtkampf der beiden Alphatiere hat eine
neue Eskalationsstufe erreicht. Das öffentliche Spektakel überdeckt:
Der größte Feind Söders ist nicht Seehofer, es ist Söder selbst. Es
war nur eine Frage der Zeit, bis beim ehrgeizigen Franke wieder
durchbricht, was für ihn typisch ist: ein übersteigertes
Selbstbewusstsein, das ihn zu riskanten und übermütigen Aktionen
verleitet, obwohl diese im Nebenfeffekt seine großen Karriereziele
sabotieren. Binnen weniger Tage hat Söder eingerissen, was er über
Monate hinweg mühsam aufgebaut hatte: Den Anschein, er würde in der
Rolle des Finanzministers zu staatsmännischem Format reifen und den
Strippen ziehenden Ichling in ein Hinterzimmer seiner Persönlichkeit
verbannen. Das birgt ein wenig Tragik in sich. Wäre Söder in der
Lage, allein seine unbestreitbaren Leistungen und Fähigkeiten für
sich sprechen zu lassen, könnte ihn kaum jemand in der Partei Paroli
bieten. Im Schlüsselressort der Finanzen macht er einen wirklich
guten Job - angefangen vom Altlasten beseitigen bei der Landesbank
bis zum Forcieren des Breitbandausbaus. Doch der andere Söder kommt
ihm immer wieder in die Quere. Der Showman, dessen Auftritte an die
Grenze der Skurrilität gehen - und darüber hinaus. Ein
Papier-Schredder wurde zu einer Pressekonferenz herangekarrt, um vor
laufenden Kameras Bürokratie zu vernichten - was im Zeitalter der
Digitalisierung für den "Chief Information Officer" der
Staatsregierung ziemlich old-fashioned ist. In Norwegen posierte er
einmal unter einem Dach aus Trockenfischen, in einem fränkischen
Tomatengarten scheinbar zahm mit Ilse Aigner. Über seine aktuelle
Beinverletzung beim Tennisspiel weiß Dank Facebook jeder Bescheid.
Denn Söder ist ein Mann, der wie kein zweiter das Rampenlicht
braucht. Der Kronprinz, der so unbedingt seriös sein will, gleitet
unweigerlich immer wieder ins Unseriöse ab. Das gilt auch für Teile
seiner politischen Arbeit. Der Vorstoß für eine Mautbehörde in
Ostbayern ist der beste Beweis. Kaum ein Bürger in der Oberpfalz oder
den fränkischen Regierungsbezirken, der diese Luftnummer nicht
durchschaut hat. Denn sollte die CSU die bundesweit umstrittene Maut
tatsächlich am Ende durchboxen, wird der Freistaat die Mautbehörde
sicher nicht als Zuckerl oben drauf bekommen. Die Intervalle der
Söderschen Machtspielchen werden sich bis zur Landtagswahl in vier
Jahren stetig verkürzen. Die höchste Eskalationsstufe ist noch nicht
erreicht. Seehofers Drohgebärde einer erneuten Kandidatur 2018 ist
ein mehr oder weniger hilfloser Versuch, den unbändigen Minister zu
bremsen. Söder weiß, dass Seehofer die Frage seiner Zukunft nicht
alleine entscheidet und eine etwaige Verlängerung seiner Amtszeit auf
Widerstand stoßen würde. Seehofer verfügt über ein schärferes
Schwert. Er könnte seinen Finanzminister aus dem Kabinett entlassen.
Doch abgesehen davon, dass kein adäquater Nachfolger für das Ressort
in Sicht ist: Der Machtkampf in der CSU bekäme damit eine
unkontrollierbare Eigendynamik, mit ungewissen Folgen auch für
Seehofer selbst. Söder müsste diese Situation allerdings weit stärker
fürchten. Dass er sich offenkundig nicht darum schert, ist Teil der
Söderschen Natur.
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Datum: 27.10.2014 - 19:25 Uhr
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