neues deutschland: Typisch deutsch
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gesagt - und zwar wohl tatsächlich von allen. Gorbatschow, Merkel,
Kissinger, Biermann, Gauck - selbst der Alt-Kanzler der Einheit hat
sich mit seiner früheren Skepsis gegenüber den Bürgerrechtlern noch
einmal zu Wort gemeldet. Wohlfeile Reden, Staatsakte, Ausstellungen,
Blumen, Kränze, Lichter, nachträgliche Deutungsversuche - wir hatten
von allem genug. Das für die Welt erdachte Bild über das ein
Vierteljahrhundert vereinte Deutschland ist bunt - und trotzdem
ziemlich deutsch: triumphierend, auftrumpfend, freudenheulend, wie es
sich - Jubiläum hin oder her - eigentlich an einem jeden 9. November
in diesem Land nicht gehört. Und selbst unter den nur dieses einen
Tages vor 25 Jahren gedenkenden Menschen gibt es nicht nur die
feiernden. Aber schon jene, die nachdenklich sind, weil das größer
gewordene Deutschland sich nicht nur zum Besseren entwickelt, werden
als störend empfunden. Und die dritten, deren Tränen nicht durch
Rührung hervorgerufen werden, gelten geradezu als lästig. Dabei will
keiner von denen die Mauer wieder. Dass aber eine nicht kleine Anzahl
ehemaliger DDR- und BRD-Bürger wie auch manche ihrer gesamtdeutschen
Nachkommen partout nicht den von Jahr zu Jahr verächtlicher werdenden
Blick nach hinten lernen wollen und beim Blick nach vorn mancherlei
Bauchschmerzen haben, wurde beim politischen Wiederbelebungsversuch
einer längst vergangenen Euphorie ausgeblendet. Und also viel getan,
um das zu konservieren.
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Datum: 09.11.2014 - 18:07 Uhr
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