Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zur Frauenquote

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ID: 1140854
(ots) - Entweder hat der alte Fuchs Volker Kauder
genial über die Bande gespielt oder er hat sich einfach
verkalkuliert. Der ansonsten auf Diplomatie und innerkoalitionären
Ausgleich bedachte CDU-Mann ging Familienministerin Manuela Schwesig,
die seit Monaten um "ihre" Frauenquote kämpft, ungewöhnlich heftig
an. Sie solle nicht so "weinerlich" sein und gefälligst ein Gesetz
vorlegen, dass dem Koalitionsvertrag entspreche. Damit hatte Kauder
die ohnehin hitzige Debatte um die Frauenquote bei der Besetzung von
Aufsichtsratsposten großer Unternehmen noch einmal kräftig
aufgeheizt. Der Koalitionssegen, um den es derzeit ohnehin nicht
besonders gut bestellt ist, hing schief. Sollte Kauder Schwesigs
Gesetz wirklich verhindern wollen, dann wählte er einfach das völlig
falsche Wort. Er stellte die Jung-Ministerin ziemlich Macho-mäßig in
die Ecke. Doch das bewirkte im politisch korrekten Berliner
Politikbetrieb genau das Gegenteil. Schwesig wurde der Rücken
gestärkt. Vom SPD-Chef Sigmar Gabriel sowieso, aber auch von der
Kanzlerin, die schon lange kein Hehl daraus macht, dass sie eine
Frauenquote für gut und notwendig hält. Das alles hätte Kauder wissen
müssen. Oder wollte er einfach nur dem eigenen Wirtschaftsflügel zu
verstehen geben, ich mag die Quote auch nicht, verhindere aber
wenigstens das Schlimmste? Vom Wirtschaftsflügel der Union, sowie
diversen - übrigens ausschließlich von Männern angeführten -
Wirtschaftsverbänden gab es heftiges Sperrfeuer gegen die Quote. Es
gebe überhaupt nicht genug qualifizierte Frauen, die die übrigens
zumeist gut dotierten Aufsichtsposten besetzen könnten, lautete
zuletzt ein Totschlagargument. Von Eingriffen in die unternehmerische
Freiheit, von höheren Kosten und anderen Ausflüchten mehr war die
Rede. Genauerer Prüfung halten die Argumente gegen die Quote nicht


stand. Im Gegenteil besagen viele Erfahrungen aus Unternehmen, die
von Frauen und Männern geführt und beaufsichtigt werden, dass dort
strategischer vorgegangen wird, dass sie in der Regel erfolgreicher
sind. Aber natürlich bedeutet die 30-prozentige Frauenquote im
Aufsichtsrat keine Erfolgsgarantie. Egal ob Mann oder Frau, es müssen
die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Zu einem großen Teil
muss sich die Wirtschaft die jetzige gesetzliche Quote allerdings
auch selbst zuschreiben. Über zehn Jahre lang hoffte die Politik auf
die Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Aber mehr Frauen gelangten
dadurch nicht in die Chefetagen. Die männlich dominierte "gläserne
Decke" war und ist kaum durchlässig. Dadurch geht auch viel kreatives
Potenzial verloren. So oder so gab es in der Koalition zuletzt großen
Lärm um eine im Grunde kleine Frauenquote. Die nun auf den Weg
gebrachte Regelung kann bestenfalls ein Signal für mehr
Chancengerechtigkeit für Frauen, auch auf Führungsetagen sein.
Schlimmstenfalls verpufft sie ohne größere Wirkung. Oder ein paar
wenige Spitzenfrauen werden auf gleich Dutzende Aufsichtsratsposten
gesetzt, wie man das bisher nur von Männern kennt. Den, freilich
fragilen, Koalitionsfrieden in Berlin hat die hitzige Debatte um die
Frauenquote allerdings nicht wirklich gefährden können. Man fand sich
im Grunde rasch wieder zusammen. Das gilt auch für den von CSU-Chef
Horst Seehofer vom Zaun gebrochenen Streit um eine Art
Nebenaußenpolitik in der Russland-Politik durch den SPD-Außenminister
Frank-Walter Steinmeier. Hier wurde Zwietracht gemutmaßt, wo
grundlegend Eintracht herrscht, auch wenn es eine unterschiedliche
Akzentsetzung gibt. Die Bundesregierung ausgerechnet in der
Russland-Ukraine-Frage auseinanderzudividieren, ist nicht nur
töricht, sondern sogar gefährlich.



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Datum: 26.11.2014 - 20:59 Uhr
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