Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Terror in Paris Freiheit vor Sicherheit Johann Vollmer

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Terror in Paris
Freiheit vor Sicherheit
Johann Vollmer

ID: 1158421
(ots) - Es gibt ein Vorher und ein Nachher. Ein Leben
vor dem Attentat, eines danach. Ein Leben wie im Vorher, fürchten
viele, sei im Nachher unmöglich. Das Attentat auf die Zeichner des
Charlie Hebdo, so heißt es bereits, sei Europas 11. September.
Ähnlich den Terroranschlägen in New York im Jahr 2001 sei der alte
Kontinent in seinem Innersten getroffen worden. So wie die
Terroristen das World Trade Center als Symbol des "Höher, schneller,
weiter" der USA auserkoren hatten, zielten sie nun mit der
Satirezeitung auf ein Symbol der Meinungsfreiheit. Europas 11.
September - vielleicht. Doch nicht die Opferzahlen entscheiden
darüber, nicht die Grausamkeit der Täter, nicht die öffentliche
Empörung, auch nicht die Titelseiten der Zeitungen. Viel später,
vielleicht erst in zehn Jahren, werden wir sehen können, was dieses
Attentat mit uns und aus uns gemacht hat. Der 11. September 2001 hat
aus den USA ein krankes Land gemacht. Einen Staat im Wahn, getrieben,
übergriffig, maßlos. Auch damals hieß es zunächst, die Terroristen
hätten das Gegenteil bewirkt. Nie stand die Welt so dicht an der
Seite Amerikas, nie hatte das Land international so viel Kredit. Am
Anfang. Solidarität ist eine flüchtige Währung. Amerika ist hohl
geworden, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat für die innere
Sicherheit seine innere Selbstsicherheit geopfert. Aus dem Land der
Freiheit ist ein Land des Misstrauens geworden, ein pathologischer
Überwachungsstaat mit entfesselten Geheimdiensten und staatlichen
Folterknechten. Und es hat seine Verbündeten gezwungen, mitzuziehen -
auch Deutschland. Bis heute sind die Anti-Terror-Gesetze in Kraft.
Vorratsdatenspeicherung, Luftsicherheitsgesetz, Videoüberwachung,
Antiterrordatei, Fingerabdrücke in Pässen, Nacktscanner, erweiterte
Befugnisse der Geheimdienste ohne richterliche Kontrolle . . . die


Liste der angeblichen Sicherheitsmaßnahmen ist lang. Und die Liste
der Begehrlichkeiten ist sogar noch länger. Sie wird nach Paris
eingefordert werden. Freiheit und Sicherheit aber sind zwei Magneten,
die sich abstoßen. Wir müssen nun entscheiden, was wir anziehender
finden. Die Architekten des Präventionsstaats versichern, dass beides
möglich sei. Denn, so ihr liebstes Mantra: Wer nichts zu verbergen
hat, hat nichts zu befürchten. Das Sicherheitsrecht lasse den
unbescholtenen Bürger in seiner Freiheit uneingeschränkt. Doch das
ist eine Lüge. Nicht nur dass de facto jeder von uns unter
Generalverdacht gestellt wird, macht uns unfrei. Was die Gesellschaft
in Sicherheit wiegen soll, schaukelt in ihr gleichzeitig diffuse
Ängste hoch. Eine Gesellschaft ist unfrei, wenn man ihr eine
allgegenwärtige und immer anhaltende, undefinierbare Gefahr vor Augen
hält, die jederzeit - wer weiß schon wann? - losbrechen kann. Das
aber ist eine selbsterfüllende Prophezeiung und sicherheitspolitische
Binse. Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden ist notwendig, keine
Frage. Sie war es immer. Aber sie wird im Einzelfall wieder versagen
- egal, mit wie vielen Befugnissen wir die Behörden noch ausstatten.
Die Freiheit, die uns nicht die Terroristen, sondern die wir uns
selbst nehmen, kehrt nicht zurück. Das ist die Lehre aus dem 11.
September 2001. Was wir trotz des Terrors und dem Terror trotzend
zeigen können, ist, dass wir in einem Land und einem Europa leben,
das, bei allen Macken, so ist, wie wir es haben wollen. Wir nehmen
uns die Freiheit, dieses Attentat zu überleben.



Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Entschädigung nach illegitimer Sicherungsverwahrung
Konsequent
HUBERTUS GÄRTNER Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
CSU-Klausur in Wildbad Kreuth
Es bleibt nur die Hoffnung
Ralf Müller
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.01.2015 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1158421
Anzahl Zeichen: 3920

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 225 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Terror in Paris
Freiheit vor Sicherheit
Johann Vollmer
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Höhe der Rente hängt auch vom Wohnort ab ...
Die Höhe der Rente unterscheidet sich in NRW von Wohnregion zu Wohnregion teils erheblich. Bei Männern macht es im Jahr einen Unterschied von 5.000 Euro aus, ob sie in Münster (1.185 Euro/Monat) oder im Rhein-Erft-Kreis (1.591 Euro/Monat) leben. Frauen in Gelsenkirchen (818 Euro) bekommen im Jahr

Hunderte Verstöße gegen Spritpreisregel in NRW bleiben folgenlos - ADAC kritisiert "zahnlosen Tiger" ...
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar

Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich


Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)


Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Entschädigung nach illegitimer Sicherungsverwahrung Konsequent HUBERTUS GÄRTNER ...
Auf den ersten Blick mag es befremdlich erscheinen, wenn das Land NRW Schwerverbrecher, die zu Unrecht in der Sicherungsverwahrung untergebracht waren, finanziell entschädigen muss. Bei genauerem Hinsehen ist dies in einem Rechtsstaat aber nur konsequent. Denn die Betroffenen wurden ohne eine ad

Rheinische Post: Kommentar / Tritte gegen die Helfer = Von Christian Schwerdtfeger ...
Was muss in den Köpfen von Leuten vorgehen, die Rettungskräfte während eines Einsatzes anspucken, schlagen und beschimpfen? Vermutlich nichts. Mit gesundem Menschverstand lässt sich Gewalt gegen Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten wohl auch nicht erklären. Es ist eine gefährliche Entw

Rheinische Post: Kommentar / Gegen den Krieg der Zivilisationen = Von Matthias Beermann ...
Für Frankreich ging es gestern darum, drei Terroristen unschädlich zu machen. Ab heute geht es darum, jenen Krieg der Zivilisationen zu vermeiden, den die Extremisten an den Rändern der Gesellschaft heraufbeschwören wollen. Wie nahe sich diese Brandstifter ihrem Ziel wähnen dürfen, zeigen n

Schwäbische Zeitung: Es ist keine Zeit für Parteipolitik ...
Gutgemeintes vorschnell hinauszuposaunen, ist ungeschickt und unprofessionell. Kann dabei sogar unterstellt werden, dass es sich vordergründig um Effekthascherei oder um einen Profilierungsversuch handelt, dann wird so eine Initiative zum Bumerang. SPD-Chef Sigmar Gabriel könnte dies jetzt erle


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z