Weser-Kurier: Zum Organspende-Vorfall schreibt Silke Hellwig:
ID: 1159074
Stiftung Organtransplantation wäre selbst ein "formaler Fehler" bei
einer Organentnahme ein schwerer Schlag. Für das gesamte
Transplantationssystem ist auch schon der Verdacht einer solchen
Unregelmäßigkeit eine Katastrophe - denn er betrifft eine Urangst von
Patienten und Angehörigen; dass ein Mensch womöglich für tot erklärt
wird, der noch nicht tot ist. Bereits Unregelmäßigkeiten und
Ungereimtheiten bei Transplantationen an den Unikliniken Göttingen
und Leipzig hatten vor wenigen Jahren die Organspende-Bereitschaft
der Bevölkerung negativ beeinträchtigt. Dabei ging es in erster Linie
um Manipulationen der Wartelisten und die Begünstigung von Patienten
durch falsche Angaben. Erst im August wurde ein weiterer
Verdachtsfall am Berliner Herzzentrum bekannt. Wer seine Organe
spendet, geht davon aus, dass sie das Leben eines anderen Menschen
retten, verlängern oder zumindest erleichtern. Die Vorstellung, dass
dabei gemauschelt wird, womöglich gar gegen Geld, muss noch die
ehrenwertesten Absichten erschüttern; obgleich jeder Patient, ob und
wie auch immer er bevorzugt wurde, das Organ dringend braucht. Der
Fall in Bremerhaven indes ist moralisch ganz anders zu bewerten -
dort geht es nicht um Mauschelei oder Bevorzugung. Dennoch kann er
einen das Fürchten lehren. Denn hier geht es darum, ob ein Toter
vorschriftsmäßig für tot erklärt wurde und ihm die Organe entnommen
werden durften. Selbst wenn es sich um eine Formalie gehandelt haben
sollte: Weil solche Vorfälle bei potenziellen Organspendern
unberechtigte, aber tiefsitzende Ängste wecken, kann schon jedwede
auch noch so kleine Irritation tödlich sein - für das
Transplantationswesen in Deutschland. Und damit tragischerweise auch
für Dutzende von Patienten, die auf Spenderorgane angewiesen sind.
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Datum: 12.01.2015 - 23:12 Uhr
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