Allg. Zeitung Mainz: Armutszeugnis / Kommentar zur Vermögensverteilung
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Nichts Neues, das ist doch schon seit vielen Jahren so, mögen da
viele sagen. Und manche trösten sich vielleicht damit, dass das doch
wohl nur ein Problem ferner Entwicklungsländer ist. Wir haben ja die
Soziale Marktwirtschaft. So einfach ist es nicht, wie eine Studie des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. Demnach
besitzt hierzulande das reichste Prozent der Bevölkerung ein
persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800 000 Euro, gut ein
Fünftel hat überhaupt kein Vermögen. In keinem Land der Eurozone sei
das Geld ungleicher verteilt, urteilt das DIW. Natürlich ist Armut
relativ, sind wir meilenweit entfernt von Zuständen wie in den
wirklich armen Ländern dieser Erde. Dennoch können wir uns nicht
einfach entspannt zurücklehnen. Man sollte nie unterschätzen, wie
gefährlich es sein kann, wenn ganze Generationen heranwachsen, die
das Gefühl haben, zu kurz gekommen zu sein. Denn das ist der
Nährboden, auf dem Extremismus gedeihen kann. Welche grausamen und
schauerlichen Konsequenzen dieses Gefühl im Extremfall haben kann,
zeigen die vielen Dschihadisten aus Europa, die in fernen Ländern zu
den Waffen greifen, weil sie zu Hause auf der Strecke blieben. Die
Weltgemeinschaft sollte daher, wenn Trauer und Wut über die jüngsten
Anschläge ihre Zeit gehabt haben, sich zur Bekämpfung des Terrors
etwas mehr einfallen lassen als mit den Muskeln zu spielen. Bislang
ist jedenfalls fast nur über strengere Überwachung, härtere Gesetze
und militärische Schläge geredet worden. Über die Ursachen, bei denen
Armut und Hoffnungslosigkeit eine wichtige Rolle spielen, spricht
kaum jemand. Ein Armutszeugnis.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 19.01.2015 - 19:28 Uhr
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