Bundesregierung verurteilt Psychopharmaka-Verabreichung in Zoos als Tierquälerei
ID: 1164343
äußerte sich die Bundesregierung in einer Antwort vom 19.01.2015 zur
Psychopharmakagabe an Zootiere: "Ein dauerhafter und routinemäßiger
Einsatz von "Psychopharmaka" - etwa Beruhigungsmittel - zur
Kompensation ungeeigneter Haltungsbedingungen verstößt nach
Auffassung der Bundesregierung gegen die Vorgaben des
Tierschutzgesetzes. Das Tier ist seiner Art und seinen Bedürfnissen
entsprechend angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht
unterzubringen".
Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hatte nach einer
Akteneinsicht im Tiergarten Nürnberg aufgedeckt, dass Delfine
regelmäßig Psychopharmaka erhalten. Die Begründung des Zoos für die
Medikamentengabe lautet in den Akten:" Nervosität, Unruhe, schlechtes
Fressverhalten."
Der Zoo Duisburg verweigerte der Tierschutzorganisation eine
Akteneinsicht. Erst aufgrund einer Klage vor dem Verwaltungsgericht
Düsseldorf bekam das WDSF im Oktober 2014 recht. Dem Gericht reichte
allerdings die auszugsweise Veröffentlichung der tiermedizinischen
Berichte auf der Homepage des Duisburger Zoos. Das WDSF legte
daraufhin Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht Münster ein, weil
es die Akten vollständig und direkt einsehen will.
WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: "Der Tiergarten Nürnberg
stellt nicht nur die Delfine mit Psychopharmaka ruhig sondern auch
andere Tiere wie zum Beispiel Gorillas, wie wir jetzt bei einer
erneuten Akteneinsicht feststellen konnten. Immer noch werden Delfine
mit dem Medikament Diazepam, sprich Valium, behandelt, so erst
kürzlich nach der Geburt eines Delfinbabys bei der Delfinmutter Sunny
im November. In den vergangenen Jahren wurden einem einzigen Delfin
innerhalb von sieben Monaten rund 4.100 mg verabreicht. Insgesamt
konnten wir innerhalb von 4 1/2 Jahren für die Delfine etwa 10.600 mg
des Psychopharmaka Diazepam nachweisen zuzüglich weiterer
Beruhigungsmittel wie Serenin."
Diazepam kann laut Herstellerangaben bereits nach einer
mehrwöchigen Verabreichung ein Suchtpotential auslösen. Nach Angaben
des WDSF sind die städtischen Aufsichtsbehörden bisher nicht gegen
die Medikamentengabe eingeschritten. Vom Nürnberger
Tiergartendirektor Encke war zu vernehmen, dass Diazepam nur als
Appetitanreger eingesetzt würde.
Mit der Antwort der Bundesregierung im Rücken will das WDSF nun
aufgrund der Untätigkeit der Behörden Fachaufsichtsbeschwerde
einlegen und Strafanzeige stellen.
Ortmüller: "Vor den Toren der Zoos klebt ein Siegel des
Schweigens. Tierquälerei hat in Zoos nichts zu suchen. Wir haben vom
Verwaltungsgericht als Tierschutzorganisation die Legitimation
erhalten, dass wir zeitlich uneingeschränkt tiermedizinische Berichte
anfordern können. Die Zoos und Tiergärten müssen sich also warm
anziehen, denn Nürnberg und Duisburg sind offenbar nur die Spitze des
Eisbergs. Wenn manche Tierarten nur mit Medikamenten gehalten werden
können, muss ein vollständiges Umdenken stattfinden."
Schreiben der Bundesregierung: http://ots.de/yuzdT
WDSF-Analyse Tiergarten Nürnberg: http://ots.de/0gt3W
und
http://ots.de/PN3hA
WDSF-Analyse Zoo Duisburg: http://ots.de/zSEor
Pressekontakt:
Jürgen Ortmüller
Gesellschafter-Geschäftsführer
Mobil: 0151 24030 952
Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)
gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
Möllerstr. 19
58119 Hagen
0049/(0)2334/919022 tel
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E-mail: wds-forum@t-online.de
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Wikipedia: http://ots.de/QMu50
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Datum: 26.01.2015 - 07:31 Uhr
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