NOZ: Gespräch mit Frank Ulrich Montgomery, Ärztepräsident
ID: 1168523
Cannabis für Schwerkranke
Präsident Montgomery warnt aber vor Legalisierung und Anbau für
den Eigenbedarf
Osnabrück.- Die Ärzte haben Pläne der Bundesregierung begrüßt,
Schwerkranken den Cannabis-Konsum zu erleichtern. In einem Gespräch
mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch) erklärte
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery, eine Therapie mit
cannabionidhaltigen Arzneimitteln könne für bestimmte Patienten
sinnvoll sein. Als Beispiele nannte Montgomery Patienten mit
neurologischen Krankheiten wie Multipler Sklerose (MS) mit
spastischen Schmerzen und Patienten, die unter mehreren Symptomen wie
Schmerzen, Appetitmangel, Übelkeit und Depressivität leiden.
Montgomery wies darauf hin, dass bereits seit Mai 2011 ein
cannabinoidhaltiges Fertigarzneimittel auf dem deutschen Markt ist.
Es sei jedoch nur für eine kleine Patientengruppe zugelassen.
"Grundsätzlich wäre die Zulassung von cannabinoidhaltigen
Arzneimitteln auch für andere Indikationen sinnvoll und
wünschenswert", sagte Montgomery. Er schlug dazu die Berufung einer
Expertengruppe vor, die Empfehlungen zur zulassungsüberschreitenden
Anwendung von Arzneimitteln auf Basis von Cannabis erstellt.
Der Präsident der Bundesärztekammer warnte hingegen vor
ungeprüften Cannabiszubereitungen. Hier sei "größte Vorsicht"
geboten, weil der Wirkstoffgehalt variiere. Die Konstanz sei aber
eine grundlegende Voraussetzung für eine gezielte und sichere
Pharmakotherapie. Außerdem seien Art und Umfang von Kontaminationen,
zum Beispiel durch Pilze, Schwermetalle oder Pestizide, nicht
bekannt. "Eine Legalisierung des Besitzes und der Anbau für den
medizinischen Eigenbedarf sind deshalb nicht zielführend", sagte
Montgomery.
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Datum: 04.02.2015 - 05:00 Uhr
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