Allgemeine Zeitung Mainz: Blockade / Kommentar zum Tarifstreit bei der Bahn
ID: 1172206
Eingriffe können die Tarifverhandlungen bei der Bahn anscheinend
nicht beendet werden. Wie wär's mit einem Einigungszwang nach der
achten Weiche? Dem irren Verhandlungspoker zwischen der
Lokführergewerkschaft GDL und dem Bahnvorstand ist bald nur noch mit
fastnachtlichem Galgenhumor beizukommen. Schon beim ersten Treffen
nach dem Weihnachtsfrieden 2014 lässt GDL-Chef Weselsky die
Verhandlungen platzen. Offenbar sind die nächsten Warnstreiks schon
geplant. Oder der findige Sachse hat die Gunst der Stunde erkannt und
will nach der Sperrung der Schiersteiner Rheinbrücke das
Rhein-Main-Gebiet ins vollkommene Verkehrschaos stürzen (diese
Spekulation muss hoffentlich in die Rubrik "unsachlich" eingeordnet
werden). Tatsächlich aber ist nicht im Ansatz erkennbar, wie der
Arbeitgeber Bahn den Tarifkonflikt irgendwann einmal auflösen soll.
Es geht seinem Gegenüber ja längst nicht mehr um Lohnzuwachs,
Arbeitszeit und Freizeitregelungen. Die GDL will ihrer
Konkurrenzgewerkschaft EVG die Klientel bei Zugbegleitern und
Disponenten streitig machen, während sich die Bahn gezwungen sieht,
allen Mitarbeitern gleiche Ergebnisse zu gewähren. Wenn eine Seite -
Weselskys GDL - genau dies weiterhin ausschließt, kann es praktisch
zu keiner Einigung kommen. Die GDL trägt diesen Konflikt nicht nur
auf dem Rücken der Bahnkunden aus. Sie schwächt auch die
Gewerkschaften, die sich jenseits einiger schlagkräftiger
Berufsgruppen wie Lokführer, Fluglotsen und Piloten eher schwer tun,
vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen wirkungsvolle
Drohkulissen aufzubauen.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
Newsmanager
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Datum: 11.02.2015 - 21:39 Uhr
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