Weser-Kurier: Zur IS-Kulturvernichtung schreibt Joerg Helge Wagner:
ID: 1182908
Unterworfenen pfleglich umgehen, ist in der Weltgeschichte eher
selten der Fall gewesen - und doch ist die bewusste Vernichtung, das
gezielte Auslöschen aller kulturellen Identität die größere Ausnahme.
Es ist ein Zivilisationsbruch, der die in bewaffneten Konflikten
übliche Menschenverachtung noch übertrifft. Als die Muslime 1187
Jerusalem zurückeroberten, ebneten sie die Jakobus-Kathedrale und
andere Kirchen nicht ein. Nachdem die Spanier 1236 in Cordoba
einmarschiert waren, klotzten sie später eine Kathedrale in die
größte Moschee - aber sie machten sie nicht dem Erdboden gleich. Und
natürlich verschonte die Reconquista auch die Alhambra von Granada,
den letzten Königspalast der spanischen Mauren. Bei aller Brutalität
der Kämpfe blieb doch immer ein Rest an Respekt vor der Kultur der
Gegner. Dieser Respekt ist offenbar nur möglich, wenn man selbst über
ein Minimum an schöpferischen Fähigkeiten verfügt. Die aber gehen dem
militanten Islamismus völlig ab. Selbst die immer professioneller
gemachten Filme, mit denen der Islamische Staat seine Barbarei
ausstellt, sind nichts anderes als besonders perverse Snuff-Videos.
Der einzige Unterschied zu jenen kriminellen Machwerken, die echte
Vergewaltigungen oder gar Morde zeigen, besteht darin, dass die
IS-Videos nicht gegen viel Geld gehandelt werden. Die Terroristen
streuen sie kostenlos, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Der IS
kennt einzig Kampf und Vernichtung - sei es die von Leben oder von
Kunstschätzen. Er steht damit in der Tradition der Wiedertäufer, der
SS, der Roten Garden der Kulturrevolution, der Roten Khmer in
Kambodscha. In seiner perversen Logik ist es deshalb auch
folgerichtig, mit dem schöpferischen Islam zu brechen, der vor 1000
Jahren für Wissenschaft, Kunst und raffinierte Lebensweise stand.
Also werden auch die jahrhundertealten Schreine muslimischer
Gelehrter gesprengt, planiert, ausradiert und ganze Bibliotheken
abgefackelt. In Wahrheit ist diesen Leuten nichts heilig, ihre
Ideologie ist hohl und absolut böse. Bezeichnend, vielleicht sogar
tröstlich ist es, wenn nun sogar radikal-islamische Regimes wie jene
in Iran oder Saudi-Arabien gegen diese neue Geißel der Menschheit
kämpfen wollen. Das ist sicher noch kein Grund zur Euphorie, aber es
zeigt doch: Es gibt ihn immer noch, den kleinsten gemeinsamen Nenner
der Zivilisation gegen die Barbarei.
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Datum: 07.03.2015 - 21:21 Uhr
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