Allg. Zeitung Mainz: An die Arbeit / Kommentar zu Griechenland
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den Stinkefinger. Oder auch nicht. Ganz ehrlich: Das ist furchtbar
egal. Hat Europa wirklich keine anderen Probleme als das
narzisstische Gebaren eines Salonlinken? In diese Kategorie fällt
auch die Fotostrecke, in der der Professor Einblicke in sein
zumindest aktuell noch nicht von Armut beschädigtes Privatleben
gewährt. Eine PR-Pleite der Marke Rudolf Scharping oder eine
doppelbödige Geste, die eines Che Guevara würdig wäre? Schon wieder
eine falsche Frage. Der Mann muss schlicht und einfach jetzt mal
liefern, und zwar Substanzielles. Wenn aus Athen endlich
Konstruktives zur Lösung der gemeinsamen Probleme kommt, kann er
danach, wenn ihm unbedingt danach ist, obszöne Gesten in alle
Himmelsrichtungen verteilen und sich abends mit Akropolis-Blick auf
dem Balkon räkeln. Aber vor dem Vergnügen kommt die Arbeit. Wie hält
es Varoufakis damit? Durchaus ernst, wie die Debatte um Reparationen
beweist. Auch dieser Diskussionsstrang sollte aber abgekürzt werden.
Warum? Zum einen, weil die in Rede stehenden Summen gemessen an der
Gesamtschuld Griechenlands sehr gering sind. Zudem sollten sich mit
etwas diplomatischem Geschick Formulierungen finden lassen, mit denen
beide Seiten das Gesicht wahren können. Nur geliefert hätte
Varoufakis damit immer noch nicht. Im Gegenteil, er hätte erneut
nicht im eigenen Land nach Ursachen geforscht und wieder nur die
Schuld bei anderen gesucht. Geholfen ist Griechenland mit einer
solchen Politik in keiner Weise. Das sieht man aber nicht, wenn
Mittelfinger und in Hochglanz geplante Selbstinszenierung den Blick
verstellen. Herrn Varoufakis und uns.
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Datum: 16.03.2015 - 18:39 Uhr
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