Allg. Zeitung Mainz: Wirre Debatte / Kommentar zurärztlichen Schweigepflicht

Allg. Zeitung Mainz: Wirre Debatte / Kommentar zurärztlichen Schweigepflicht

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(ots) - Nach Katastrophen gibt es sinnvolle
Veränderungsvorschläge und weniger sinnvolle. Zu letzterer Kategorie
gehört die Debatte über eine Aufhebung der ärztlichen
Schweigepflicht. Zunächst einmal lenkt sie - aber vielleicht ist das
ja gerade die Absicht interessierter Kreise - von einem veritablen
Skandal ab: Alles deutet darauf hin, dass der Lufthansa-Konzern in
eklatanter Weise versagt hat. Da gab es in der Pilotenausbildung des
Andreas L. eine mehrmonatige Zwangspause, und eher könnte man darauf
wetten, dass die Hölle zufriert, als dass diese Zwangspause nichts
mit psychologischen Problemen des Flugschülers zu tun hatte. Falls
nun nicht vertuscht wird, dürfte sich herausstellen, dass L. niemals
die Verantwortung für Passagiere hätte übernehmen dürfen. Nun also
die ärztliche Schweigepflicht abschaffen oder zumindest relativieren?
Gewiss doch, da lockt manchen Politiker - wieder einmal allen voran
Karl Lauterbach - die "Bild"-Schlagzeile. Aber das kann nicht der
Maßstab sein. Bei Lichte besehen darf ein Arzt schon jetzt Alarm
schlagen, wenn er Menschenleben bedroht sieht, und das wird er tun,
wenn er bei Verstand ist. Insofern ist die Debatte zu einem
erheblichen Teil eine Scheindiskussion. Zudem keimt der Verdacht, als
würden Sündenböcke gesucht: Wenn etwas schief geht, ist der Arzt
schuld, weil er es hätte diagnostizieren und mitteilen müssen?
Absurd. Und überhaupt: Wie stünde es mit dem Beichtgeheimnis und dem
Schweigerecht des Strafverteidigers? Recht wirr, diese
Schweigepflichtaufhebungs-Debatte. Würde man ihr nachgeben, würden
sich öfter Ärzte zur Denunzierung gedrängt und Patienten zum Tricksen
motiviert sehen, was die Gesamtlage riskanter machen würde.



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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 30.03.2015 - 19:28 Uhr
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