Allg. Zeitung Mainz: Der Fall Seehofer / Kommentar zu Gauweiler

Allg. Zeitung Mainz: Der Fall Seehofer / Kommentar zu Gauweiler

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(ots) - Peter Gauweilers Schritt kommt überraschend. Vor
allem, weil Resignation als Motiv für den Rückzug von allen
politischen Ämtern wohl ausscheidet. Der streitbare Querdenker ist
keiner, den in der Defensive der Kampfesmut verlässt und der
frustriert den Bettel hinwirft. Vielmehr dient der spektakuläre
Abgang ganz offensichtlich dem Ziel, den Blick der Öffentlichkeit auf
den Zustand der CSU zu lenken. Und der ist mit dem Attribut trostlos
noch freundlich umschrieben. Und die Verfassung der Partei ist eng
mit einem Namen verbunden: Horst Seehofer. Der Regent, den
Franz-Josef Strauß vermutlich als Leichtmatrosen verhöhnen würde,
führt die CSU im Stile eines Befehlshabers. Wer ihm die
bedingungslose Gefolgschaft verweigert, wird öffentlich gerügt und
abgemahnt. Für den kontroversen Diskurs fehlen dem Vorsitzenden Kraft
und Statur. Seehofers einsamer Kampf für die vollständig missglückte
Pkw-Maut belegt dies ebenso eindrücklich wie sein rüde-autoritärer
Umgang mit den Euro-Kritikern um Gauweiler und Ramsauer. Wer in
vollem Ernst frei gewählten Abgeordneten ihr Abstimmungsverhalten
diktieren will, muss sich schon nach seinem Verständnis von
parlamentarischer Demokratie fragen lassen. Seehofer verfolgt im
Wesentlichen ein Ziel: den für 2018 geplanten Abgang und die Regelung
der Nachfolge in seinem Sinne und geordnet zu inszenieren. Anders
gesagt: Er modelliert seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Interne
Kritiker und mögliche Kronprinzen werden dem selbstsüchtigen Treiben
nicht tatenlos zusehen. Die Uhr des CSU-Potentaten könnte schneller
ablaufen, als ihm lieb ist.



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Datum: 31.03.2015 - 19:14 Uhr
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