FZ: Die Zeit ist reif für einen Frau
Kommentar der "Fuldaer Zeitung" zu Hillary Clinton
ID: 1197559
Clinton abgelehnt haben, bevor sie sich erweichen ließ. Und sie will
zweimal Barack Obamas Angebot, Außenministerin zu werden, abgelehnt
haben, bevor sie sich überzeugen ließ. Diesmal lässt sie sich von
niemandem bitten: Hillary Clinton, das wird sie morgen offiziell
verkünden, will den Kampf ums Präsidentenamt noch einmal aufnehmen
und Anfang 2017 als erste Frau ins Weiße Haus einziehen. Ihre Chancen
sind ungleich besser als 2008, als die Demokraten sich bei den
Vorwahlen zwischen Clinton und Obama entscheiden mussten - und
Clinton das Nachsehen hatte.
Charismatisch waren beide, doch damals war die Symbolik der
Hautfarbe stärker als die des Geschlechts. Gebrochene Versprechen und
fehlende Antworten auf globale Probleme haben die Yes-we-can-Euphorie
zu Beginn von Obamas Präsidentschaft gedämpft, und inzwischen scheint
auch in den USA die Zeit reif für eine Frau.
Clintons Popularität ist groß wie nie - nicht nur bei den
Demokraten, die außer Vizepräsident Joe Biden keinen ernsthaften
Konkurrenten aufzubieten haben. Auch bei den Republikanern sucht man
vergeblich nach Kandidaten vom Format Clintons. Jeb Bush, Bruder des
ehemaligen Präsidenten George W. Bush, hat seinen Hut in den Ring
geworfen, kann der erfahrenen Clinton aber nicht das Wasser reichen.
Apropos Erfahrung: Es gibt wohl kaum jemanden in den USA, der den
Politikbetrieb und die Welt so gut kennt wie Hillary Clinton. Seit
ihr Mann 1979 zum Gouverneur des Bundesstaates Arkansas gewählt
wurde, saß Hillary mit ihm ununterbrochen an den Schalthebeln der
Macht. Schon ihre vor zwölf Jahren veröffentlichte Autobiografie
"Gelebte Geschichte" füllt 669 Seiten - und danach ging es mit ihrer
Karriere erst richtig los. Als Außenministerin bereiste sie 112
Länder, sie kennt alle Krisenherde und begeistert mit ihrem großen
Herz für Minderheiten Menschen auf der ganzen Welt.
Was spricht gegen Clinton? Falls die Demokraten sie zur
offiziellen Kandidatin küren und sie am 8. November 2016 gewinnt,
wird sie schon 69 Jahre alt sein. Ist sie dann der Last, die das Amt
der mächtigsten Frau der Welt mit sich bringt, noch gewachsen?
Kritiker weisen zudem darauf hin, dass sie als Außenministerin unter
Obama zwar unermüdlich im Einsatz war, die großen Konflikte aber
weiter ungelöst sind. Ob sie die Welt zu einem friedlicheren Ort
machen kann, steht in den Sternen. "Wenn ich eine Geschichte von der
Titelseite verdrängen will, muss ich nur meine Frisur ändern", sagte
sie einmal. Doch im Amt wird ihre Frisur an Bedeutung verlieren. /
Bernd Loskant
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Bernd Loskant
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Datum: 10.04.2015 - 20:20 Uhr
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