Westfalen-Blatt: zum Organspende-Urteil
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Organspende-Verfechter gerade noch gebraucht. Mühsam kämpfen sie für
ein besseres Image der Transplantationsbranche. Doch wenn der Bürger
das Gefühl bekommt, dass unerträgliche Machenschaften wie die des
früheren Leiters der Göttinger Transplantationsmedizin nicht geahndet
werden, können sich die Verfechter noch so sehr anstrengen. Dann wird
die Skepsis gegenüber Organspenden nicht weniger. Das hat fatale
Folgen. Der Vergleich des Richters, dass ein Einbrecher auch nicht
dafür verantwortlich gemacht werden kann, wenn der Hausbesitzer
während des Einbruchs die Treppe herunterfällt, ist Hohn. Denn bei
diesem Beispiel gibt es kein direktes Eingreifen. Der Mediziner hat
aber eingegriffen - vollkommen bewusst. Er verschlimmerte die
Diagnosen seiner Patienten auf dem Papier und sorgte so dafür, dass
andere Erkrankte hinter ihnen auf der Liste landeten. Er stellte sich
über das Schicksal. Wenn der Skandal ein Gutes hat, dann die
Botschaft, dass Manipulationen wie in Göttingen seitdem klar unter
Strafe stehen. Auch wenn weiterhin die Richtlinien bei der Vergabe
von Organen undurchsichtig sind. Hier muss nachgebessert werden. Es
bleibt viel zu tun, um verloren gegangenes Vertrauen
zurückzugewinnen.
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Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
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Datum: 06.05.2015 - 21:10 Uhr
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