Allg. Zeitung Mainz: Schocktherapie / Kommentar zur Währungsunion
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DDR war eine beispiellose Schocktherapie. Mit einem Schlag wurde im
Osten nicht nur eine neue Währung, sondern gleich dass gesamte
Wirtschaftssystem des Westens übernommen. Für viele Unternehmen
bedeutete das praktisch das Aus, da sie nicht wettbewerbsfähig waren.
Ihnen blieb keine Zeit für einen Aufholprozess, die meisten Ostfirmen
wurden entweder aufgekauft oder schlossen ihre Tore für immer. Die
Arbeitslosenzahlen nahmen sprunghaft zu. Doch der Druck der Bürger im
Osten ließ der Politik kaum eine andere Wahl. "Kommt die D-Mark,
bleiben wir, kommt sie nicht, gehen wir zu ihr", lautete bald nach
dem Fall der Mauer der Slogan auf den Demonstrationen. Auch die von
vielen Ökonomen kritisierte Umstellung der Löhne, Renten und Mieten
im Verhältnis 1:1 sowie die Umstellung von Bargeld in gewissen
Grenzen zum gleichen Kurs war ein politisches Zugeständnis. Trotzdem
kann sich die Bilanz sehen lassen. Nach 25 Jahren liegt die
Wirtschaftsleistung im Osten immerhin bei 80 Prozent des Westens. Die
Wirtschaftsunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR hätte auch
eine Lehre für die Europäische Währungsunion sein können. Denn die
deutsche Geschichte zeigt, dass die Einführung einer gemeinsamen
Währung letztlich nur auf der Grundlage einer gemeinsamen
Wirtschafts- und Finanzpolitik gelingen kann. Der krasse
Anpassungsprozess in Ostdeutschland war alles andere als behutsam und
mit vielen sozialen Härten verbunden. Aber langfristig gesehen gab es
in Deutschland und gibt es in Europa keine Alternative zu diesem
Aufholprozess.
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Datum: 01.07.2015 - 19:20 Uhr
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