Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Flüchtlingszahlen in NRW steigen weiter
Herausforderungen nehmen zu
MATTHIAS BUNGEROTH
ID: 1236088
werden im Laufe dieses Jahres nach Nordrhein-Westfalen kommen, um
hier Schutz zu suchen. Das sind etwa so viele, wie die Städte Siegen,
Hildesheim oder Moers jeweils an Einwohnern haben. Allein daran lässt
sich erkennen: Das Flüchtlingsthema wird eine der ganz großen
Herausforderungen an unser Gemeinwesen in diesem und mit ziemlicher
Sicherheit auch im kommenden Jahr sein. Darüber, ob diese Entwicklung
in ihrer Dynamik zu erwarten war, bedarf keines länger andauernden
Streits. In der vergangenen Woche haben wir bei hochsommerlichen
Temperaturen in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Bielefeld und
Dortmund gesehen, wie schnell sich die Lage zu einem akuten
humanitären Problem auswachsen kann. Es geht um Menschen, die sich
zunächst einmal unserer Gesellschaft anvertraut haben, egal, ob das
Gesetz ihnen ein längerfristiges Bleiberecht zubilligt oder nicht.
Bund, Länder und Kommunen stehen hier vor organisatorischen und
finanziellen Problemen, die es in diesem Umfang seit Jahren nicht
mehr gab. Das Grundgesetz verpflichtet unser Gemeinwesen, dieser
Verantwortung gerecht zu werden. Es gibt zum Glück auch niemanden auf
den drei genannten Ebenen, der diese Verantwortung grundsätzlich von
sich weist. Doch das Flüchtlingsthema macht nicht bei der reinen
humanitären Ersthilfe halt. Bei denjenigen, die nach geltendem Recht
ein längeres Bleiberecht in Deutschland haben, muss es auch darum
gehen, ihnen eine möglichst reibungslose Eingliederung in die
Gesellschaft und auch die Arbeitswelt zu ermöglichen. Das ist
wichtig, um den betroffenen Flüchtlingen zu Selbstachtung und
Eigenständigkeit in unserer Gesellschaft zu verhelfen, ihnen die
Chance zu geben, ihren Beitrag zum deutschen Inlandsprodukt zu
leisten. Diese Herausforderung ist mindestens so groß wie die durch
die aktuell steigenden Flüchtlingszahlen. Bei allen Schwierigkeiten
macht eines Mut: Eine Mehrheit der Deutschen macht sich laut einer
repräsentativen Forsa-Umfrage keine Sorgen über den wachsenden
Flüchtlingsstrom. Sorgen wir alle dafür, dass die Stimmung nicht
kippt.
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Datum: 08.07.2015 - 20:30 Uhr
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