Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Einigung im Atomstreit mit Iran
Historisches Vertragswerk
Dirk Hautkapp, Washington
ID: 1238399
der Ebene. Ob sich der Iran wirklich uneingeschränkt an das
historische Vertragswerk von Wien halten wird und lückenlos
nachprüfbar Abstinenz übt gegen alle Verlockungen, vom Atomstaat zur
Atommacht zu werden, kann heute niemand mit Bestimmtheit sagen. Aber
man muss es versuchen. Die Alternativen - Bomben auf Nuklearanlagen,
noch schärfere Sanktionen oder das Verlassen des Verhandlungstisches
ohne Ergebnis - waren immer töricht und bleiben es. Auf beiden Seiten
wird nun die Stunde der Hardliner schlagen. Sie werden die gewiss
vorhandenen Schwachstellen herausstreichen und als Sensation
verkaufen, was von Anfang an klar war: Teheran wird durch den Deal
mitnichten für alle Zeiten am Griff nach der Atombombe gehindert. Es
wird dem Land nur auf Jahre ziemlich schwer und teuer gemacht. Die
US-Republikaner, im Präsidentschaftsvorwahlkampf für 2016 noch
irrationaler als gewöhnlich, werden wenig unversucht lassen, um Obama
den wirkungsmächtigsten außenpolitischen Erfolg seiner Amtszeit zu
zerschießen und als Risiko für den Weltfrieden darzustellen. Erst ein
vom Kongress mit solider Mehrheit mitgetragener Atom-Deal wäre
politisch unumkehrbar und auch für den nächsten Präsidenten fürs
Erste bindend. Bevor sich ab sofort die Fachleute über die von Laien
kaum fassbare Zahl und Funktionsweise von Zentrifugen sowie die
Taktfolge unabhängiger Atomkontrollen beugen werden, darf die
politische Gewichtsklasse der nach 13 mühevollen Jahren erreichten
Verständigung nicht kleingeredet werden. Wien markiert nicht weniger
als das Ende des kalten Krieges zwischen dem Westen und einem Land,
das sich 36 Jahre nach einer zwiespältigen Revolution vor allem mit
Stellvertreterkriegen, verdeckten Attentaten, Vernichtungsdrohungen
gegen Israel und rituellem "Tod dem großen Satan"-Antiamerikanismus
ausgezeichnet hat. Der Iran, Heimstatt großer kultureller Leistungen,
kehrt nun aus der Paria-Ecke in den Kreis der voll
verhandlungsfähigen Staaten zurück. Verhält sich das Land, in dem
sich für 80 Millionen Menschen gestern eine neue Tür geöffnet hat,
vertragskonform, werden auch die letzten Wirtschaftssanktionen
fallen. Und dann? Teheran wird sich beizeiten entscheiden müssen, ob
man im Mittleren Osten weiter nur für den Exportschlager Terrorismus
und einschüchternde Nachbarschaftspolitik bekannt und gefürchtet sein
will. Oder ob friedliche Koexistenz in einer von blutrünstigem
Fanatismus gepeinigten Weltgegend nicht das bessere Zukunftskonzept
ist. Die offizielle Anerkennung des Staates Israel und das Bekenntnis
zum zivilen Interessenausgleich mit dem ewigen Rivalen Saudi-Arabien
wären dazu unerlässlich. Für welchen Weg man sich in Teheran
entscheidet, wird auch maßgeblich davon abhängen, wie fair, würdig
und verlässlich der von Amerika geführte Westen mit dem Atom-Deal
umgeht. Ohne Vertrauensvorschuss und Wohlwollen wird es nicht gehen.
Für Amerika, das noch vor wenigen Jahren unter dem irregeleiteten
George W. Bush die islamische Republik für immer auf der "Achse des
Bösen" verorten wollte, ist das Abkommen ein Pfund, mit dem sich
wuchern lässt. Erst Kuba, jetzt der Iran - die berechtigte Kritik an
dem viel zu früh mit dem Friedensnobelpreis belasteten Präsidenten
Barack Obama darf jetzt ruhig eine Tonlage leiser werden.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 14.07.2015 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1238399
Anzahl Zeichen: 3802
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 218 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Einigung im Atomstreit mit Iran
Historisches Vertragswerk
Dirk Hautkapp, Washington"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Verdi-Chef sieht Angriff auf alle Bereiche des Sozialstaats ...
Bielefeld. Der Chef der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, Franke Werneke, warnt davor, Reformen auf dem Rücken der Beschäftigten durchzusetzen. "Es gibt gerade einen Angriff auf praktisch alle Bereiche des Sozialstaats - auf Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Schwäbische Zeitung: "Verhaltener Jubel" - Leitartikel zur Atom-Einigung mit dem Iran ...
Dutzende Male standen die Atom-Gespräche mit Iran in den vergangenen Jahren kurz vor dem Scheitern. Mal ließ Irans damaliger Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Gespräche platzen, mal funkte Ex-US-Präsident George W. Bush dazwischen, dann wieder waren die Russen nicht zufrieden und irgendwan
Allg. Zeitung Mainz: zum Atomdeal mit dem Iran / Argwohn ...
Es könnte der segensreichste diplomatische Coup der vergangenen 15 Jahre werden - oder das größte Desaster. Der Deal im Atomstreit mit dem Iran bleibt noch längere Zeit eine tickende Bombe, wenn er denn überhaupt in Kraft tritt. Der amerikanische Kongress könnte ihn verhindern, was allerdin
Rheinische Post: Schäubles Vorschlag Kommentar Von Birgit Marschall ...
Kalifornien gilt Wolfgang Schäuble als Vorbild: Als der US-Bundesstaat 2009 wegen eines Haushaltsstreits vorübergehend zahlungsunfähig war, bezahlte er seine Beamten mit Schuldscheinen. Als sich der Streit aufgelöst hatte, konnte Kalifornien die Schuldscheine in Dollar zurückkaufen. Genauso
Rheinische Post: Raser von der Straße Kommentar Von Jörg Isringhaus ...
Hollywood propagiert illegale Autorennen als Teil einer hippen Subkultur, und zwar nicht erst seit "Fast & Furious". Kein Wunder, dass immer wieder Jugendliche dem vermeintlichen Kick erliegen, sich mit PS statt IQ vor Publikum zu profilieren. Dass sie dabei rücksichtslos andere M




