Mittelbayerische Zeitung: Nicht nachgeben / Kommentar zu Hassforen in sozialen Netzwerken
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aus den imaginären Löchern kriechen, um ihre kruden Theorien zu
verbreiten. Menschenverachtend, dumm, hetzerisch - schlichtweg
widerlich sind immer wieder Kommentare, die Nutzer leider auch viel
zu häufig auf unseren digitalen Plattformen hinterlassen. Im
Gegensatz zu anderen Medien haben wir uns ganz bewusst dafür
entschieden, weiterhin ohne Rücksicht auf zu befürchtenden Schmutz
aus der rechten Ecke alle Aspekte unseres Lebens zu thematisieren -
auch auf Facebook, wo der Mob sich am liebsten austobt. Wir tun das,
obwohl wir wissen, dass es immer wieder Ärger geben wird. Ärger mit
Nutzern, deren Kommentare wir entfernen, weil sie Meinungsfreiheit
nicht von rassistischer Hetze unterscheiden können. Aber auch Ärger
mit Nutzern, die der Meinung sind, dass wir zu viele Kommentare
sichtbar lassen. Es ist eine Gratwanderung, die Mühe bereitet - weil
man so einiges einfach aushalten muss. Aber es ist wichtig, dies
auszuhalten und es ist ebenso wichtig, konsequent gegenzuhalten.
Genau dies geschieht glücklicherweise sehr oft nicht nur durch uns,
sondern vor allem durch viele Menschen in unserer Region. Sie machen
durch ihre Statements deutlich, dass die Hetzer und Rassisten eben
nicht in der Mehrheit sind, dass Menschlichkeit bei uns noch immer
groß geschrieben wird - ohne dabei irgendwelche Probleme
kleinzureden. Nicht zuletzt demaskieren sich die Schreihälse häufig
selbst. Was ist denn schon von Leuten zu halten, die sich ihrer
deutschen Herkunft wegen anderen Menschen überlegen fühlen,
gleichzeitig aber nicht einmal die einfachsten Regeln ihrer eigenen
Sprache beherrschen? Was sie schreiben, das ist vorhersehbar - wie
sie es schreiben, das ist immer wieder eine Überraschung. Und
überhaupt - was wäre die Alternative? Sollen wir aus Angst vor
solchen Kommentaren nicht mehr über die Schicksale von Flüchtlingen
berichten? Nein, das wäre die falsche Antwort. Das würde den falschen
Leuten ein Gefühl des Sieges geben und alles nur noch schlimmer
machen. Nachgeben ist keine Option. Auch wenn es anstrengend ist.
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Datum: 30.07.2015 - 19:56 Uhr
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