Zittern am Zuckerhut / Brasiliens Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise
ID: 1250595
deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen am 19. und 20.
August auf eine wohl eher angespannte Präsidentin Dilma Rousseff
treffen. Die Zeiten sind schwierig, die Wirtschaftsleistung
Brasiliens schrumpft, die Inflation steigt rapide, die
Industrieproduktion ist eingebrochen. Drohende Jobverluste und eine
steigende Verschuldung wirken sich negativ auf den Konsum aus, das
Investitionsklima ist nicht vielversprechend. Nachdem das
Wirtschaftswachstum vergangenes Jahr mit 0,1 Prozent stagnierte, soll
es dieses Jahr laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF)
sogar um 1,5 Prozent schrumpfen.
Politisch steht die Regierung unter massivem Druck, viele Bürger
fordern bereits die Amtsenthebung der amtierenden Staatspräsidentin.
Notwendige Sparpakete werden von der Opposition im Kongress
blockiert. Korruptionsskandale rund um Rousseffs regierende
Arbeiterpartei erschweren die Lage zusätzlich. Auch bei den
Vorbereitungen für die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele 2016
in Rio de Janeiro läuft nicht alles nach Plan - insbesondere beim
Ausbau der öffentlichen Infrastruktur gibt es immer wieder
Verzögerungen.
Ausländische Investoren verhalten sich immer zurückhaltender, aber
auch heimische Unternehmen sind zögerlich geworden: "Viele
Unternehmen vertagen neue Investitionen, bis sich eine bessere
Konjunktur abzeichnet. Der Sparkurs der Regierung wird kurzfristig
womöglich noch mehr auf die Stimmung drücken," sagt Oliver Döhne,
Brasilien-Experte bei Germany Trade & Invest in São Paulo. "Dieses
und nächstes Jahr dürften schwierige Jahre werden, von einem wirklich
dauerhaften Absturz kann dennoch keine Rede sein. Dafür sind die
Ressourcen, der Markt und das Potenzial in diesem Land einfach zu
groß."
Ein Weg zu mehr internationaler Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens
könnte laut Döhne über Innovationen führen. Bislang gibt das Land nur
rund 1,2 Prozent seines BIP für Forschung & Entwicklung aus. Ein
Großteil der Mittel kommt aus dem öffentlichen Sektor. Zum Vergleich:
In Deutschland sind es fast drei Prozent. Um eine Brücke zwischen
Forschungsinstituten und Unternehmen zu bauen, unterstützt die
Fraunhofer-Gesellschaft zwei Initiativen zur Stärkung der angewandten
Forschung. Brasiliens schwacher Innovationsgrad wird zum Teil auf
eine exzessive Bürokratie und Reglementierung geschoben, aber auch
auf die niedrige Qualifikation von Arbeitskräften, fehlende Anreize
und eine schwierige Finanzierung.
"Die bilaterale Zusammenarbeit bei Wissenschaft, Forschung und
Innovation ist intensiv. Aus deutscher Sicht haben unter anderem
Ressourceneffizienz sowie Klima- und Umweltschutz Priorität.
Brasilien signalisiert Interesse bei Nano- und Biotechnologie sowie
Produktionstechnologien und der Katastrophenvorbeugung", so Döhne
weiter.
Im Bereich Kreislaufwirtschaft arbeiten über 30
Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Brasilien seit 2009 in
dem Forschungsverbund Bragecrim zusammen. Zwischen deutschen und
brasilianischen Hochschulen bestehen mehr als 500
Kooperationsabkommen.
Germany Trade & Invest (GTAI) ist die
Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die
Gesellschaft informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte,
wirbt für den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland und
begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland.
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Datum: 17.08.2015 - 09:00 Uhr
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