Allg. Zeitung Mainz: Konflikte einhegen / Kommentar zur Ukraine von Friedrich Roeingh
ID: 1256087
mehreren Verletzten und einem toten Polizisten vor dem Parlament in
Kiew zum Anlass nehmen, über Erfolge im Ukraine-Konflikt zu
schreiben? Man kann, ja man muss sogar. Man muss, weil es genau das
Ziel solcher Anschläge ist, Erfolge auf dem mühsamen Weg zur
Deeskalierung der Kriegszustände in der Ostukraine zu vereiteln. Und
man muss es auch, weil wir angesichts der europäischen
Flüchtlingskrise und der abartigen Nachrichten aus der Hölle des
Islamischen Staates dazu neigen, den Ukraine-Konflikt aus den Augen
zu verlieren. In einer Zeit, in der sich immer neue, scheinbar
unlösbare Probleme auftun, ist es umso wichtiger zu registrieren,
dass die unlösbaren von gestern - die Griechenland-Krise gehört
ebenso dazu - deutliche Fortschritte machen. Nein, Wladimir Putin
wird die völkerrechtswidrig annektierte Krim sicher nicht
zurückgeben. Ja, in der Ostukraine vollzieht sich noch eine Art
Stellungskrieg, der immer wieder Tote fordert. Auf der anderen Seite
steht: Das Russland-Embargo zeigt längst Wirkung. An der Auflösung
des Iran/USA-Konflikts hat Russland konstruktiv mitgewirkt. Die hoch
umstrittene Entscheidung des ukrainischen Parlaments für mehr
Autonomierechte der inzwischen russisch dominierten Ostprovinzen des
Landes zeigt, dass Deutschland und Frankreich nicht nur Russland
unter Druck setzen, an einer schrittweisen Auflösung der
Konfrontation mitzuwirken. Keiner der globalen Konflikte lässt sich
mit einem Federstrich lösen. Davon träumen nur Fantasten und zuweilen
Leitartikler. Das mühsame Einhegen der Konflikte ist ein
realistischeres Gebot. Und dieses Einhegen funktioniert im
Ukraine-Konflikt ganz gut.
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Wolfgang Bürkle
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Datum: 31.08.2015 - 20:50 Uhr
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