Allg. Zeitung Mainz: Kein bisschen Spaß / Kommentar zu Roberto Blanco/Joachim Herrmann von Lars Hennemann
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bayerische Innenminister ist kein Rassist oder Schlimmeres. Aber: Es
ist trotzdem einfach nur kreuzdämlich, das Wort "Neger" so wie
geschehen in einer Talkshow zu benutzen. Nicht nur, weil sich
natürlich die Sprachpolizisten, Tugendwächter und Hohepriester der
Political Correctness, den wir unter anderem Schaumküsse zu verdanken
haben, nur allzu gerne darauf stürzen. Und damit jetzt wieder eine
der typischen, neuzeitlich medialen Hysteriewellen entfachen, die ein
tiefer liegendes, viel existenzielleres Problem überlagert: das des
angemessenen Umgangs mit Asylbewerbern und Flüchtlingen. Joachim
Herrmann reiht sich ein in eine Phalanx von Politikern, die schlicht
und ergreifend mit dieser Thematik überfordert sind. Weil sie viel zu
spät die Dramatik der Situation erkannt haben. Manche bringen es
jetzt immerhin noch fertig, zu schweigen und endlich ihre
Hausaufgaben zu machen. Andere verlassen sich vor allem auf das
Engagement von Kommunalpolitikern und Bürgern. Und bei manchen bricht
sich das intellektuelle Strapaziertsein leider - wie bei Hermann -
verbal ungefiltert Bahn. Zutiefst menschlich, aber dennoch im Amt
eines Innenministers nicht hinnehmbar. Und deshalb soll er sich
entschuldigen, und damit sollte der Vorgang bitte zu den Akten.
Wichtiger als Shitstorms auf Nebenkriegsschauplätzen sind beim Thema
Flüchtlinge weiterhin ganz elementare Dinge: Unterkünfte,
Sprachkurse, Kapazitäten für Lehrer und Sozialarbeiter, Perspektiven
auf dem Arbeitsmarkt. Oder - auch das muss gesagt sein - eine
schnelle Abschiebung derer, die keinen Anspruch auf Bleiben haben.
Auch wenn Roberto Blanco jetzt alles mit Humor nimmt: Diese Debatte
verträgt kein bisschen Spaß. Es wird Zeit für mehr Ernsthaftigkeit,
und zwar auf allen Ebenen der Verwaltung. Dilettanten können wir
dabei nicht gebrauchen, schon gar nicht als Minister.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 01.09.2015 - 19:13 Uhr
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