Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Christian Kucznierz zum Syrien-Krieg
ID: 1268294
Russland. Stimmen, die fordern, dass das Riesenreich mit an
Verhandlungstischen sitzt. Oder Stimmen, die sagen, dass Russland der
eigentliche Verbündete der Europäer ist. In der Ukraine-Krise war der
Vorwurf, "der Westen" - gemeint waren die Vereinigten Staaten -
schüre den Konflikt, um einen neuen Krieg gegen Russland
vorzubereiten, salonfähig. Wenn Washington und Moskau nun miteinander
sprechen, um Lösungen für den brutalen Syrien-Krieg zu suchen, dann
sehen sich die Putin-Versteher bestätigt in ihrer These, dass
Russland wichtig ist. Was daran stimmt: Es kann für viele Krise keine
Lösung ohne Moskau geben. Aber dauerhafte Lösungen wird es mit
Russland auch nicht geben. Zumindest nicht mit dem Russland nach
Prägung Wladimir Putins. Das Problem dabei: Ein anderes gibt es auf
absehbare Zeit nicht. Reden mit Putin bedeutet: Reden mit einem, der
eine Machtpolitik betreibt, die die Welt eigentlich nur noch von den
Vereinigten Staaten gewohnt war. Mit dem Unterschied, dass der
Kremlchef bereit ist, für das Erreichen seiner Ziele im Innern brutal
gegen die Opposition vorzugehen und nach außen gegen das Völkerrecht
zu verstoßen. Siehe Annektion der Krim. Siehe die Destabilisierung
der Ukraine mit russischer Unterstützung. Putin hat sein Riesenreich
nach der gefühlten Demütigung der 1990er Jahre wieder zu einer Macht
heranwachsen lassen, die sich nichts mehr gefallen lässt. Die an den
Gashähnen der Welt drehen kann und Nationen damit erpresst. Die
Waffen an alle liefert, die zahlen. Die Regimes stützt, die ihr
nützlich scheinen, koste es, was es wolle. Wen das alles an
US-amerikanische Interventionspolitik erinnert, der hat Recht. Es ist
genau das, was Putin über all die Jahre bei seinem Volk so beliebt
macht. Es war richtig, Russland infolge der Krim-Intervention zu
isolieren und aus der Gruppe der G8 auszuschließen. US-Präsident
Barack Obama hat es gestern vor der Generalversammlung der Vereinten
Nationen gesagt: Heute ist nicht mehr die Zeit für Machtpolitik von
früher. Wer die Isolation Moskaus kritisiert, denkt in den
Machtverhältnissen von früher. Es gibt keine Blöcke mehr, kein Ost
und West. Die Welt ist multipolar geworden. Die USA tun sich noch
schwer, das zu akzeptieren. Russland versucht es nicht einmal.
Dennoch ist Reden mit Russland immer noch die einzige Hoffnung, wenn
Kriege wie der in Syrien nicht ins Unendliche laufen sollen. Und das
dürfen sie nicht. Eine gesamte Region ist destabilisiert, eine ganze
Generation droht verloren zu gehen, weil Hunderttausende auf der
Flucht sind. Die schützende Hand des Kreml wacht über Syriens
Diktator Assad. Doch ein Mann, der bereit ist, seine Macht mit
Fassbomben auf Frauen und Kinder zu verteidigen, hat jegliches Recht
zu regieren verwirkt. Syrien kann keine Zukunft mit Assad haben. Nur
sieht der Kreml das anders. Genau das aber ist das Problem: Putin und
Obama werden keine gemeinsame Linie finden. Weil beide andere Ziele
verfolgen. Das heißt nicht, dass es falsch wäre, wenn beide
miteinander sprächen. Wozu der Kremlchef imstande ist, wenn er seine
Interessen und die seines Landes bedroht sieht, haben die Panzer und
Soldaten auf der Krim gezeigt. Wie wenig er die Isolation fürchtet,
trotz aller verheerenden wirtschaftlichen Folgen, zeigt er durch die
anhaltende Unterstützung der ostukrainischen Separatisten. Keiner
darf sich der Illusion hingeben, dass der Syrien-Krieg bald enden
wird, weil Obama und Putin über den Konflikt gesprochen haben. Aber
ohne dieses Gespräch wäre die Lösung in noch weitere Ferne gerückt.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.09.2015 - 22:02 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1268294
Anzahl Zeichen: 4108
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 332 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Christian Kucznierz zum Syrien-Krieg"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Westfalenpost: Katalonien ...
Zerreißproben in Europa. Erst Schottland, bald vielleicht das Baskenland und Südtirol, derzeit Katalonien. In Barcelona haben die Separatisten eine Mehrheit errungen - und angekündigt, ihr Projekt "Unabhängigkeit von Spanien" voranzutreiben. Ein solcher Rückfall in Kleinstaaterei a
WAZ: Herausforderung für Europa - Kommentar von Matthias Korfmann zu Katalonien ...
Jetzt ist die Europäische Union, ein Bündnis, das zuletzt vor allem durch Uneinigkeit auffiel, noch etwas komplizierter geworden: In Katalonien, einem der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen, gibt es ernsthafte Unabhängigkeits-Bestrebungen. Die Separatisten dort und die Zentralregierung in
neues deutschland: Wahl in Katalonien: Adiós España? ...
Die Schallmauer wurde verfehlt: die absolute Mehrheit der Stimmen für die Unabhängigkeitsbefürworter in Katalonien. Sicher, »Junts pel Sí«, das breite Bündnis für ein Ja kommt zusammen mit der linksradikalen CUP auf eine klare absolute Mehrheit im 135-Sitze-Parlament. Doch die CUP, die d
Weiss/Lenz: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist zukunftsweisend ...
Erstmals gemeinsame Ziele der Entwicklungs- und Industrieländer Der UN-Gipfel in New York hat die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Dazu geben die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Sabine Weiss, und der Obmann im Parlamentarischen Beirat für




