Mittelbayerische Zeitung: Kleine Schritte zur Reform - Die Familiensynode bringt kaum greifbare Ergebnisse, doch zumindest wurden keine Türen zugeschlagen. Von Julius Müller-Meiningen
ID: 1280064
Bischofssynode im Vatikan. Umstürzende Botschaften hatte angesichts
der Zerstrittenheit der Bischöfe über den Kurs der katholischen
Kirche auch niemand erwartet. Im Gegenteil: Die von Papst Franziskus
zu einem Perspektivwechsel gedrängte Kirche, schien auf der Stelle zu
treten bei der Frage, wie viel Wirklichkeit die Doktrin verträgt. Die
reformorientierten Kräfte im Episkopat loben nun das Ergebnis der
Versammlung. Vom Papst aufgestoßene Türen seien nicht zugegangen,
sondern offen geblieben. Beim Symbolthema der wiederverheirateten
Geschiedenen deutete sich gar eine zaghafte Öffnung an. Fortan, so
empfehlen die Bischöfe mit knapper Mehrheit, sei der Empfang der
Sakramente nicht mehr ausgeschlossen, sondern letztendlich einer in
Beichte und Buße ausgereiften Gewissensentscheidung vorbehalten. Was
auf die meisten Menschen wie ein unverständlicher und letztlich
erniedrigender Kniefall wirken muss, ist für die katholische Kirche
ein Schritt nach vorne. Papst Franziskus hat den Reformprozess mit
einer Umfrage unter den Gläubigen angestoßen. Das Ergebnis nach zwei
Jahren Beratung ist für alle, die einen grundsätzlichen Wandel der
Kirche für möglich hielten, enttäuschend. Die Bischöfe, zu 90 Prozent
in den Pontifikaten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. berufen,
tun sich unendlich schwer mit der Haltung, weniger zu verurteilen,
sondern in erster Linie positive Elemente in menschlichen Beziehungen
zu erkennen, die nicht dem katholischen Ideal der sakramentalen Ehe
entsprechen. Das Abschlussdokument der Synode spiegelt dieses Ringen
um den Kompromiss trefflich wider. Etwa, wenn die Rede von positiven
Elementen in nicht ehelichen Beziehungen die Rede ist, im selben Satz
aber auf die dogmatische Klarheit der Botschaft des Evangeliums
gepocht wird. Bei der Debatte um den Umgang mit Homosexualität gab es
keine Bewegung, im Gegenteil. Ein Drittel der Synodenväter stellt
sich gegen den aus der deutschen Sprachgruppe hervorgegangenen
Vorschlag, den Zugang zur Kommunion für wiederverheiratete
Geschiedene in Anlehnung an ein Dokument von Johannes Paul II. aus
dem Jahr 1981 zu regeln. Der von Papst Franziskus vorgezeichnete Weg
zu einer offeneren, weniger urteilenden Kirche ist noch sehr weit. Ob
die Reform mit Papst und Bischöfen im Gleichschritt gelingen kann,
ist vor allem eine Frage der Zeit. Mitentscheidend ist, wie viele
Jahre Franziskus noch im Amt bleiben wird. Zum einen hängt davon ab,
wie viele Bischöfe und Kardinäle er in diesen Jahren ernennen wird,
die dann die Richtung der Kirche mitbestimmen. Noch auf Jahre hinaus
werden die von seinen beiden Vorgängern in 35 Jahren berufenen
Prälaten das Gesicht der katholischen Kirche prägen. Daher auch die
Schwierigkeiten beim Perspektivwechsel, weg von der überstrengen und
lebensfremden Sexualmoral. Zum anderen bleibt die Frage, wie sehr der
Papst die amtierenden Bischöfe für seinen Kurs der Barmherzigkeit
gewinnen kann. Was auch nach der Familiensynode bleibt, ist das
Paradox, in das Franziskus seine Kirche geführt hat, und aus dem noch
kein Ausweg sichtbar ist: Der Papst will nicht nur Bewegung von
seinen Bischöfen, er wünscht sich von ihnen auch programmatische
Inhalte. Die Bischöfe hingegen sind nach Jahrzehnten des Gehorsams
gegenüber Rom nur bedingt zum Dialog, geschweige denn zu mutigen
Schritten fähig. Sie flehen den Papst förmlich um ein lehramtliches
Schreiben an, in dem die strittigen Fragen letztinstanzlich geklärt
werden. Ob Franziskus diesen aus Unvermögen resultierenden Wunsch
erfüllen wird, ist zweifelhaft. Ihm ist zuzutrauen, dass er seine
Mitbrüder noch eine ganze Weile erbarmungslos vor sich hertreiben
wird.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.10.2015 - 23:20 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1280064
Anzahl Zeichen: 4223
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Kunst und Kultur
Diese Pressemitteilung wurde bisher 384 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Kleine Schritte zur Reform - Die Familiensynode bringt kaum greifbare Ergebnisse, doch zumindest wurden keine Türen zugeschlagen. Von Julius Müller-Meiningen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Der rbb beim 25. FilmFestival Cottbus / Neuer rbb-"Polizeiruf 110" als Eröffnungsfilm ...
In diesem Herbst blickt die Filmwelt wieder nach Cottbus: Vom 3. bis 8. November präsentiert das 25. FilmFestival Cottbus großes Kino, spannende Dokumentationen und cineastische Entdeckungen aus Mittel- und Osteuropa. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) begleitet das renommierte Festival des
NOZ: Interview Medien mit Caren Miosga, "Tagesthemen"-Moderatorin ...
Caren Miosga: Anfrage aus Hollywood Dreharbeiten im "Tagesthemen"-Studio? - Moderatorin outet sich als Kontroll-Freak und verrät das Geheimnis ihrer Augenbrauen - 46-Jährige wünscht sich eigene Gesprächssendung Osnabrück. "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga, die
Auszeichnung: Zwei WDR-Radioproduktionen gewinnen Prix Europa 2015 ...
Das WDR 3 Hörspiel "Orpheus in der Oberwelt - eine Schlepperoper" und das ARD/WDR radiofeature "Wie Terror entsteht" sind in Berlin als beste europäische Produktionen mit dem Prix Europa 2015 ausgezeichnet worden. Das Hörspiel "Orpheus in der Oberwelt - eine Schlepper
Fünf deutsche Gewinner beim PRIX EUROPA 2015 / Insgesamt zwölf europäische Medienproduktionen in Berlin ausgezeichnet ...
Am Freitagabend wurde im Haus des Rundfunks in Berlin der europäische Medienpreis PRIX EUROPA vergeben. Insgesamt 12 TV-, Radio- und Onlineprogramme wurden als beste europäische Produktionen des Jahres prämiert, fünf der Gewinner kommen aus Deutschland. Außerdem wurde der schwedische Investi




