Westfalenpost: Wider den Orbanismus / Kommentar von Knut Pries zum EU-Balkan-Gipfel
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unterschiedliche Ansätze zum Umgang mit der Flüchtlingskrise. Beide
trafen beim Balkan-Gipfel aufeinander.
Ungarns Premier Orban vertritt das Prinzip Abwehr. Danach erweist
sich die Tauglichkeit der EU in der Fähigkeit, Flüchtlinge zu stoppen
und zurückzuschicken. Weil die EU dabei versagt, hat Orban die Sache
selbst in die Hand genommen und Zäune an der Grenze gebaut.
Schwache EU, starker Nationalstaat - das ist das Modell, das Orban
verkörpert. Es ist ein Modell, das an Boden gewinnt und mancherorts
den Sprung von der Minderheits- zur Mehrheitsposition schon geschafft
hat, siehe den Ausgang der Wahlen in Polen. Dem gegenüber steht das
Traditionsverständnis vom Projekt Europa, vertreten von Juncker und
Merkel. Danach hat die EU aufgrund ihrer Ausrichtung auf westliche
Werte die Pflicht, die Opfer des Elends im Süden und Osten
aufzunehmen und zu integrieren.
Das Modell Orban, auch das war in Brüssel zu sehen, ist die
einfachere Methode, zumal angesichts der schieren Zahlen auch die
andere Seite ohne Bremse nicht auskommt. Die Halbherzigkeiten und
Heucheleien des Modells Juncker/Merkel lassen sich prima bekritteln.
Im Vergleich zum Orbanismus bleibt es die bei Weitem humanere, einzig
europäische Alternative.
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Datum: 26.10.2015 - 21:26 Uhr
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