BPI zum BARMER-Arzneimittelreport: Zahlen fragwürdig,
AMNOG-Reformvorschläge unklar bis kontraproduktiv
ID: 1297825
Reformvorschläge zum AMNOG auf fragwürdige Zahlen. Selbst der
Arzneiverordnungs-Report (AVR) zieht inzwischen von den in der
Pressemitteilung der Barmer GEK zitierten Arzneimittel-Gesamtausgaben
2014 die gesetzlichen Rabatte ab, die Hersteller und Apotheker zu
leisten haben und weist die Einsparungen durch Rabattverträge aus.
Damit liegen die tatsächlichen Ausgaben der GKV statt bei 33,34 bei
27,8 Mrd. EUR und damit schon auf den ersten Blick um 16 Prozent
niedriger. In den verbleibenden Ausgaben ist auch die Mehrwertsteuer
enthalten, die dazu führt dass aus Beitragsmitteln der GKV
Steuereinnahmen gemacht werden. "Wir mahnen einen soliden Umgang mit
Zahlen an", sagt Henning Fahrenkamp, der Hauptgeschäftsführer des
Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) dazu. "Die
ewige Wiederholung von Ausgaben, welche die Kassen gar nicht hatten,
verzerrt das Bild. Auch der beklagte Anstieg um 9 Prozent in 2014
ergibt sich vor allem, weil der Gesetzgeber 2014 den im Zuge der
Wirtschaftskrise 2010 auf 16 Prozent erhöhten Herstellerabschlag auf
sieben Prozent zurückgeführt hat. Das war mehr als überfällig, denn
die Kassendefizite, die u. a. mit der Erhöhung 2010 vermieden werden
sollten, sind nie eingetreten: Ganz im Gegenteil haben sie zu
historisch nie dagewesenen Überschüssen der GKV beigetragen. Das
Preismoratorium wird trotz allem bis heute fortgeführt", beklagt
Fahrenkamp.
In einem Punkt liegt der heute vorgestellte Arzneimittelreport der
Barmer GEK richtig: Das AMNOG muss dringend weiterentwickelt werden.
Die Vorschläge der gesetzlichen Krankenkasse, die nach eigener
Aussage darauf abzielen "den Patientennutzen noch stärker als bisher
zu berücksichtigen" werfen aus Sicht des BPI viele Fragen auf. Denn
die Einbeziehung des Patientennutzens ist schon heute ein Ziel der
frühen Nutzenbewertung des AMNOG. Die Vorschläge der BEK zielen
dagegen auf die Einführung weiterer wirtschaftlicher
Bewertungsschritte und damit gerade nicht auf den Nutzen sondern auf
die Kosten von Arzneimitteln ab. Schon jetzt erreichen viele im
Rahmen des AMNOG bewertete Neuerungen, darunter auch solche mit hohem
Zusatznutzen, die Patientinnen und Patienten nicht oder nicht
dauerhaft, weil sie vom Markt zurückgezogen, nicht verordnet oder gar
nicht erst in Deutschland angeboten werden. Ein Grund sind hier auch
nicht auskömmliche Ertragsperspektiven für die Unternehmen. Die
vorgeschlagenen zusätzlichen Bewertungen würden diese Situation
absehbar verschärfen. "Wir brauchen im AMNOG keine zusätzlichen
Unwägbarkeiten bei den zu verhandelnden Erstattungsbeträgen, sondern
in erster Linie strukturelle Reformen bei der Bewertung des
Zusatznutzens, zum Beispiel bei Bewertungsmethodik, zweckmäßigen
Vergleichstherapien und deren Berücksichtigung bei der Preisfindung",
so Fahrenkamp.
Die Vorschläge belegen die Vermutung, dass die Kassenseite beim
AMNOG vor allem Kostensenkung statt Versorgungsverbesserung und
-vielfalt im Auge hat. Geht es hier tatsächlich um
Versorgungsrelevanz oder nicht doch eher um Ausgabenrelevanz? Denn
offensichtliche Probleme des AMNOG wie die Verdrängung von neuen
Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen oder die Tatsache, dass
Arzneimittel häufig scheinbar "ohne Zusatznutzen" aus der Bewertung
gehen, werden dagegen nicht adressiert. "Zusatznutzen kann sich
gerade bei neuen Arzneimitteln gegen chronische Erkrankungen wie
Diabetes zum Teil erst in der langen Anwendung zeigen. Ärzte
benötigen bei der Verordnung von Innovationen mehr Sicherheit anstatt
weitere Einschränkungen der Therapiefreiheit", so Fahrenkamp.
Der BPI hat erst vor kurzem eine kritische AMNOG-Bilanz gezogen
und konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht:
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Pressekontakt:
Ihr Ansprechpartner: Andreas Aumann, Tel. 030/27909-123,
aaumann@bpi.de
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Datum: 09.12.2015 - 14:16 Uhr
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