Neue Westfälische (Bielefeld): "Blitz-Marathon" in Nordrhein-Westfalen
Effizientere Methoden
FLORIAN PFITZNER, DÜSSELDORF
ID: 1300386
Flüchtlingsregistrierung, dazu jedes Wochenende irgendwelche
vermeintlichen Fußballfans, die zwischen Bahnhöfen und Stadien zu
einem Haufen asozialer Krawallbrüder degenerieren - welcher Beamte
soll sich da noch den medienwirksamen Kampagnen des
nordrhein-westfälischen Innenministers widmen? Die Belastung der
Polizei ist das erste Argument gegen den sogenannten Blitz-Marathon
der rot-grünen Landesregierung - zumindest im Düsseldorfer Landtag.
Die Polizeigewerkschaft in NRW überlässt die klare Kante lieber
anderen, indem sie nur vorsichtig feststellt, dass die Aktion
"gelegentlich kritisch hinterfragt" werde. Indes versucht
Innenminister Ralf Jäger, den Menschen zwischen Weser und Rhein ein
Gefühl von Kontrolle und Geborgenheit zu vermitteln. Eben darauf legt
es der SPD-Politiker seit Amtsantritt an; gerne zeigt er sich als
Mann von Recht und Ordnung. Es soll ein Bild entstehen, in dem einer
rigoros durchgreift, nicht lange fackelt und mit breiter Front gegen
den "Killer Nummer 1" auf den Straßen, die unsägliche Raserei,
vorgeht. So entstanden bereits einige andere Veranstaltungen wie
"Riegel vor" gegen Einbrecher. An anderer Stelle verspricht Jäger,
den "braunen Sumpf" trockenzulegen, wenn er es mit Neonazis aufnimmt
und ihnen wortgewaltig "auf die Springerstiefel" steigt.
Eingängigkeit gehört zu seinem Handwerkszeug, und es ist ärgerlich
für die Innenpolitiker der oppositionellen Fraktionen, dass hinter
den mitunter populistischen Rufen der eine oder andere Erfolg steckt.
Der Blitz-Marathon kann so sinnlos nicht sein, wenn sich die Idee
längst über Landes- und sogar Bundesgrenzen ausgeweitet hat: Von
Finnland bis Zypern schlossen sich der vorigen Version 22 Staaten an.
Der Verkehrsexperte der regierungstragenden Grünen-Fraktion, Arndt
Klocke, hat ja recht, wenn er sagt, dass die Gefahren durch zu
schnelles Fahren mit der Veranstaltung "stärker in das Bewusstsein
von Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern" rücken. Es haben
einfach noch immer zu wenig Menschen begriffen, wie hoch das Risiko
durch einen egoistischen Fahrstil auf den Straßen ist. Über die
Kampagne hinaus sollte die Landesregierung weiter nach Möglichkeiten
suchen, um die Unfallzahlen am Ende tatsächlich zu verringern - und
vielleicht mal über effizientere Methoden nachdenken.
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Datum: 15.12.2015 - 20:40 Uhr
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