Allg. Zeitung Mainz: Im Spiegel / Kommentar zu Sven Lau von Lars Hennemann
ID: 1300377
den Spiegel vor. Sie spielen mit uns, sie lachen uns aus. Sei es,
indem sie als "Scharia-Polizei" provozieren, sei es, indem sie als
Wölfe im Schafspelz Schnittstellen zur Ideologie des Terrors suchen.
Von daher ist es grundsätzlich nur logisch, dass die
Ermittlungsbehörden gegen den Salafistenprediger jetzt eine härtere
Gangart einlegen. Die jetzt gegen ihn erhobenen Vorwürfe sind im Kern
gar nicht neu, erscheinen aber vor dem Hintergrund der Pariser
Anschläge und der Beteiligung Deutschlands am Anti-IS-Einsatz in
Syrien in einem neuen Licht. Gewonnen ist damit aber noch nichts.
Was, wenn Lau wie in der Vergangenheit erneut ohne Konsequenzen auf
freien Fuß kommt? Das mag dann wiederum den Prinzipien eines
freiheitlichen Rechtsstaates entsprechen. Aber Lau und seinesgleichen
werden dann genau diesen Rechtsstaat noch lauter auslachen, ihm einen
noch größeren Spiegel vorhalten. Einen Spiegel, aus dem frech die
scheinheilige Fratze eines pervertierten Islam grinst. Und an dieser
Stelle liegt die eigentliche Gefahr. Die Sven Laus und Pierre Vogels
dieser Welt haben deshalb vielfach leichtes Spiel mit der
Gesellschaft, weil sie ihre reflektierte Mitte zunehmend verliert.
Falsch verstandene Milde gegenüber möglichen Terrorsympathisanten ist
in der komplexen Welt des Jahres 2015 ebenso fehl am Platze wie
pauschale Anti-Ausländer-Hasstiraden, wie man sie etwa von Pegida
kennt. Beides schafft Figuren wie Lau nur eine ideale Bühne. Die
Strafverfolger können also jetzt hoffentlich ans Ende bringen, was
sie angefangen haben. Und die Gesellschaft muss sich darauf besinnen,
welches Bild sie eigentlich von sich selbst im Spiegel sehen will.
Ohne wahrhaft freien, wertebasierten, im besten Sinne bürgerlichen
Common Sense ist Strafverfolgung allein auf Dauer nichts.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
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Datum: 15.12.2015 - 20:34 Uhr
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