Weser-Kurier: Leitartikel von Joerg Helge Wagnerüber die AfD
ID: 1333183
Partei wahrgenommen werden, nicht bloß als der politische Arm von
Pegida. Ihr Programmentwurf bietet gleichermaßen marktradikale wie
christlich-fundamentalistische Elemente. Man will in der
Sozialpolitik einerseits hinter Bismarcks Reformen zurück,
andererseits Elternschaft noch mehr fördern als bisher. Wenig Staat,
aber den bitte mit viel mehr Polizei. Hat man alles irgendwann schon
mal gehört von Schill oder Schönhuber oder sonst wem, der kurz
populär und dann schnell vergessen war. Und wenn sich die AfD am Ende
doch etabliert, so wie die anfangs belächelten Grünen? Dazu müsste
sie sich erst einmal von ihren radikalsten Vertretern befreien - so
wie die Grünen Anfang der 90er-Jahre die Corona Dithfurth, Ebermann,
Trampert & Co. hinausgedrängt haben. Dadurch würde sich die
Anhängerschaft der AfD verändern: mehr gestandene Facharbeiter und
Akademiker, weniger junge Arbeitslose, dafür wohl auch mehr Frauen.
Die folgende schleichende Liberalisierung könnte die AfD am Ende
anschlussfähig für andere demokratische Parteien machen - bundesweit.
Schlimm bis tödlich wäre das nur für die CSU. Statt eines
"Einmarschs" der CDU in Bayern, den Kohl einst Strauß androhte, käme
hier eine viel härtere Konkurrenz auf sie zu. Und? Wäre ein
Dahinscheiden der CSU wirklich ein Verlust? Sicher nicht, denn
bislang hat sie noch in jeder Koalition mehr Unfrieden als Sinn
gestiftet. So gibt es gleich zwei positive Szenarien und damit allen
Grund, der AfD gelassen zu begegnen. Entweder zerlegt und entzaubert
sie sich selbst - wie vor ihr schon die "Republikaner", die
"Rechtsstaatliche Offensive" oder auch die "Piraten". Dann machen
ihre Anhänger eben wieder woanders bzw. nirgendwo ihr Kreuzchen und
die AfD wird quasi vom Parteiensystem ausgeschieden. Oder das System
absorbiert sie - was es ja nicht nur bei den Grünen, sondern sogar
bei der SED/PDS/WASG/Linke geschafft hat. Lieb' Vaterland, magst
ruhig sein - der Dax steht nach dem ach so irren "Super-Sunday"
ungerührt über 10.000 Punkten und die nächste Kanzlerin heißt sicher
nicht Petry.
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Datum: 14.03.2016 - 20:51 Uhr
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