Rheinische Post: Kommentar /
Was von Westerwelle bleibt
= Von Michael Bröcker
ID: 1335638
seinem Höhepunkt. Zugleich offenbarte sich dort, warum seine
politische Karriere ein unglückliches Ende nehmen sollte. Auf dem
Parteitag in der Landeshauptstadt berauschte sich die FDP an dem
Größenwahn ihres Vorsitzenden. Projekt 18. Partei für das ganze Volk.
Die Liberalen nominierten ihren Kanzlerkandidaten. Dazu der
Börsenboom der Yuppiewelt. Die FDP war Westerwelle. Und es lief gut.
Der "Spiegel" titelte: "Generation Guido". Diese Zeit wurde
Westerwelle nie wieder los. Das Image des Unseriösen, des
Übertriebenen haftete an ihm. Die Westerwelle-FDP, eine schrille
Minderheit. Dass der nach Wahlergebnissen erfolgreichste FDP-Chef
aller Zeiten so viele Gegner hatte wie keiner seiner Vorgänger, lag
auch daran, dass der Bonner Jurist nie so recht wusste, wie das geht
mit Maß und Mitte. Guido Westerwelle bekämpfte seinen
Minderwertigkeitskomplex mit dem politischen Sendungsbewusstsein. Das
war früh erkennbar. Als der Ex-Realschüler auf das Gymnasium
wechselte, wählte er das schwierigste Fach: Latein-Leistungskurs. Und
bekam Probleme. Später wollte er Künstler werden, obwohl die Lehrer
kaum Talent entdeckten. Nur in seiner späteren Karriere glänzte er
als Expressionist. Der Franz Marc der Politik. Kräftig, farbig, immer
an die Symbolik denkend. Dieser Drang zur großen Guido-Show führte
aber auch dazu, dass ihm die Medien und das Publikum nie so viel
Aufmerksamkeit geben konnten, wie er Anerkennung brauchte. Guido
Westerwelle ist aber auch ein politisches Jahrhundert-Talent. Ein
begnadeter Redner, einer, der komplexe Sachverhalte in wenigen Sätzen
für alle greifbar machen konnte. Einer, dem man im Bundestag immer
zuhörte. Ein richtig guter Demokratielehrer. Einer, der Leidenschaft
für die Politik entwickelte und junge Menschen dafür begeisterte. Er
war stets hartnäckig, wenn es um die Verteidigung der Freiheitsrechte
ging. Dass der Staat sich in den 80er und 90er Jahren zum
Vollversorgerwesen aufschwang, der dem entmündigten Bürger seinen
Alltag vorschreibt und jeden zweiten Steuer-Euro dafür braucht, hat
nach Graf Lambsdorff niemand so klar und konsequent thematisiert.
Westerwelle appellierte an die Selbstverantwortung und brachte
Begriffe wie Leistungsgerechtigkeit in die Debatte. All das bleibt.
Genauso wie die Empfindsamkeit und die Freundlichkeit, die er privat
zeigte. Die Masse von Anfeindungen und die Häme, die wohl kein
Politiker so über sich ergehen lassen musste, überstand er. Den Kampf
gegen den Krebs nicht. Als aufrechter Freiheitskämpfer und
passionierter Demokrat bleibt er in Erinnerung.
Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion
Telefon: (0211) 505-2621
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 18.03.2016 - 21:02 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1335638
Anzahl Zeichen: 2989
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Düsseldorf
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 352 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Rheinische Post: Kommentar /
Was von Westerwelle bleibt
= Von Michael Bröcker"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Rheinische Post (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Neu-Nationalspieler Florian Neuhaus mag keine Vergleiche mit Toni Kroos und Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. "Beide sind große Spieler, die eine Ära des deutschen Fußballs geprägt haben. Natürlich ist es faszinierend, wie Kroos die Kontrolle über ein Spiel hat, und alles, was er
Ex-Nationalspieler Uwe Rahn an Darmkrebs erkrankt ...
Der frühere Nationalspieler und Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga, Uwe Rahn, ist an Darmkrebs erkrankt. Das sagte der 58-Jährige im Interview mit der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Diagnose war für mich natürlich ein Schock. Da der Krebs fortgeschritten
NRW-Oppositionsführer Kutschaty fordert Ende von Armin Laschets "Stop-and-Go-Politik" ...
Kurz vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag dringt die SPD-Landtagsfraktion auf einen klaren Kurs der nordrhein-westfälischen Landesregierung: "Armin Laschet muss seine Strategie überdenken und rauskommen aus dieser Stop-and-Go-Politik. Lock
Weitere Mitteilungen von Rheinische Post
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Türkei-Deal ...
Es gibt keinen Grund, sich nach diesem Deal der Europäer mit der Türkei erleichtert zurückzulehnen. Nicht einmal der aus Angst vor einem letzten Ansturm geborene kurzfristige Termin für den Beginn der Zurückweisung von Flüchtlingen an diesem Sonntag kann zufriedenstellen: weil das, was da
FZ: Geliebt und gehasst Kommentar der "Fuldaer Zeitung" zum Tod von Guido Westerwelle ...
Guido Westerwelle war einer von denen, die es in der Politik zu selten gibt: ein Staatsmann, der zugleich ein hervorragender Entertainer ist - oder umgekehrt: ein Entertainer, der über brillanten politischen Sachverstand verfügt. Er war ein Mann klarer Worte und Prinzipien, der wusste, wie man M
Neue Westfälische (Bielefeld): Festnahme des Terrorverdächtigen Tarik S. Arbeit für die Sicherheitsbehörden Jobst Lüdeking ...
Sie zieht gescheiterte junge Männer und Frauen an wie das Licht die Motten: Die Terrororganisation Islamische Staat (IS) hat aber mittlerweile die Attribute eingebüßt, die sie überaus attraktiv für seine Zielgruppe machte. Statt Siegen müssen die Kämpfer Rückzugsgefechte bestehen, sind B
Neue Westfälische (Bielefeld): EU einigt sich mit der Türkei Lösung - welche Lösung? Knut Pries, Brüssel ...
Seit Frühjahr 2015 war dies nun schon das neunte europäische Spitzentreffen zur Flüchtlingskrise. Von einer Lösung, einer europäischen gar, kann indes nicht die Rede sein. Der Türkei-Pakt, wenn er denn das Stadium praktischer Verwirklichung erreicht, schafft allenfalls begrenzte Erleichteru




