Neue Westfälische (Bielefeld): Wasser als knappes Gut
Vorbeugen statt abwarten
Wolfgang Mulke
ID: 1336264
praktisch kostenloser, unendlich verfügbarer Rohstoff. Das Gegenteil
ist aber der Fall. Der Zugang zu frischem Süßwasser entscheidet mit
über den Wohlstand einer Region. Wo sauberes Wasser fehlt, kann sich
wirtschaftlich nichts entwickeln. Und in vielen Ländern dieser Erde
ist diese Ressource knapp. 1,8 Milliarden Menschen sind derzeit von
anhaltenden Dürren bedroht. Das bedeutet für sie Hunger, Krankheit
und Armut. Der Klimawandel wird die Situation in vielen betroffenen
Gebieten noch verschärfen. Es ist absehbar, dass Teile der
Bevölkerung aus den vertrockneten Gebieten fliehen. Welche
Schwierigkeiten eine Massenbewegung auslösen kann, zeigt sich an den
Außengrenzen der Europäischen Union gerade anschaulich. Wer kann es
den Menschen verdenken, dass sie dorthin wollen, wo ihre Chancen auf
ein menschenwürdiges Leben deutlich besser stehen als zu Hause?
Völkerwanderungen aufgrund des fehlenden Zugangs zu Wasser lassen
sich wohl nicht verhindern. Aber es ist höchste Zeit gegenzusteuern,
in dem die vorhandenen Versorgungsmöglichkeiten verbessert werden.
Alleine können die am meisten betroffenen afrikanischen Länder diese
Aufgabe nicht meistern. Es bedarf einer großen internationalen Hilfe.
Zugegeben, das wird viel kosten. Doch der Blick auf den aktuellen
Handel mit der Türkei zeigt, dass es noch teurer wird, auf eine
Zuspitzung der Lage zu warten. Der Bericht, den die Vereinten
Nationen am heutigen Weltwassertag vorlegen, wird den Zusammenhang
zwischen Arbeit, Einkommen und Wasserzugang verdeutlichen. Weil
sauberes Wasser vielerorts so knapp ist, steigt auch die Gefahr
militärischer Auseinandersetzungen darum. Noch ist es nicht zum ganz
großen Wasserkrieg gekommen. Doch im Hintergrund der Dauerkonflikte
im Nahen Osten steht neben ethnischen, geostrategischen, ökonomischen
oder religiösen Faktoren auch die Macht über den Rohstoff Wasser auf
der Liste der Streitgründe. Auch hier ist die internationale
Staatengemeinschaft gefragt. Sie muss sich für eine faire Verteilung
des Wasserzugangs stark machen. Sonst könnten Konflikten mit auch
Europa betreffenden Folgen bald schon eskalieren.
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Datum: 21.03.2016 - 19:50 Uhr
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