Westfalen-Blatt: zu Jan Böhmermann
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eigentlich ausgestanden sein. Aber die Kritik des ZDF-Komikers an
der Kanzlerin hat Tragweite. Der Vorwurf, Merkel habe in Sachen
Meinungsfreiheit gewackelt, wiegt schwer, weil er ein elementares
Grundrecht betrifft. Doch das Nachtreten ist überflüssig. Es fiele
leichter, sich mit Jan Böhmermann zu solidarisieren, wenn das
»Schmähgedicht« auf den türkischen Präsidenten Erdogan von höherem
sprachlichen und satirischen Niveau wäre. Womöglich war die geringe
Qualität Teil seines Plans. Sicher ist, dass Böhmermann die maximale
Provokation Erdogans wollte. Aber wollte er dabei so weit gehen, dass
er einige Wochen mit Polizeischutz leben musste? Anders als beim
Mittelfinger-Video des ehemaligen griechischen Finanzministers
Varoufakis hat Böhmermann die Kontrolle über den Vorgang verloren.
Meint er, dass er sie zurückgewinnen kann, indem er eine weitere
Beleidigung Erdogans (»Nervenkranker Despot«) nachlegt? Das kann man
mutig und konsequent nennen, muss man aber nicht. Böhmermann ist
nicht der einzige, durch den sich der türkische Machthaber beleidigt
fühlt. Erdogan hat mehr als 1800 Personen angeklagt. Der
»Nervenkranke Despot« wird ihm eine weitere Klage wert sein.
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Datum: 03.05.2016 - 21:00 Uhr
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