Rheinische Post: Türkei droht in der Nato
Außenseiter zu werden
Kommentar von Eva Quadbeck
ID: 1380640
Stunden des Putschversuchs und danach hinter den türkischen
Machthaber Recep Tayyip Erdogan. Dieser Akt der Solidarität war
richtig und angemessen. Einen Machtwechsel kann es in Demokratien
immer nur durch Wahlen geben. Auch wenn die Türkei alles andere als
eine lupenreine Demokratie ist, wäre eine Militärdiktatur eine
denkbar schlechte Alternative. Erdogan erweist sich nun der
Solidarität der demokratischen Welt als unwürdig. Eine Überraschung
ist das nicht. Er nutzt den Putschversuch, um den Umbau der Türkei
von einer Demokratie in ein autokratisches und autoritäres
Präsidialsystem fortzusetzen. Er sieht den stümperhaft umgesetzten
Aufstand gar als "Geschenk Gottes". Denn der Angriff auf seine Macht
gibt Erdogan den Anlass, eine "Säuberung" beim Militär vorzunehmen
und auch am Putschversuch unbeteiligte Richter festnehmen zu lassen,
nur weil sie ihn kritisch sehen. Der Opposition, die auch aus
demokratischer Überzeugung den verhassten Präsidenten stützte, droht
nun erst recht die Drangsalierung. Sogar die Wiedereinführung der
Todesstrafe ist in der Türkei im Gespräch. Diese Entwicklung ist auch
für die international Verbündeten der Türkei dramatisch. Die Nato
versteht sich nicht nur als Verteidigungsbündnis. In ihrer Präambel
ist das Ziel verankert, "die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die
Zivilisation ihrer Völker, die auf den Grundsätzen der Demokratie,
der Freiheit der Person und der Herrschaft des Rechts beruhen, zu
gewährleisten". Von diesen Grundsätzen verabschiedet sich die Türkei
in rasantem Tempo. Es steht zu befürchten, dass die Türkei im
westlichen Verteidigungsbündnis zum Außenseiter wird und damit auch
der gemeinsame Kampf gegen die Terrormiliz IS ins Stocken gerät. Nach
dem Putschversuch sind in der türkischen Regierung anti-amerikanische
Töne laut geworden, während Erdogan den Schulterschluss mit Putin
sucht. Auch das ist gefährlich. Die Westbindung der Türkei droht
trotz Nato-Mitgliedschaft zu zerbröseln. Mit Deutschland - dem
wichtigsten Partner in Europa - herrscht seit der Armenien-Resolution
ohnehin Eiszeit. Das Militär ist in der Türkei traditionell ein
Garant für die säkulare Staatsform. Erdogan, der seine Macht vor
allem auf eine konservative islamische Anhängerschaft baut, wird
alles daran setzen, diese politische Funktion der Armee abzuschalten.
Für Europa und die Nato, für die gemeinsame Flüchtlings- und
Verteidigungspolitik, ist das eine schwere Hypothek.
Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion
Telefon: (0211) 505-2621
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 17.07.2016 - 19:55 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1380640
Anzahl Zeichen: 2867
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Düsseldorf
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 345 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Rheinische Post: Türkei droht in der Nato
Außenseiter zu werden
Kommentar von Eva Quadbeck"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Rheinische Post (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Neu-Nationalspieler Florian Neuhaus mag keine Vergleiche mit Toni Kroos und Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. "Beide sind große Spieler, die eine Ära des deutschen Fußballs geprägt haben. Natürlich ist es faszinierend, wie Kroos die Kontrolle über ein Spiel hat, und alles, was er
Ex-Nationalspieler Uwe Rahn an Darmkrebs erkrankt ...
Der frühere Nationalspieler und Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga, Uwe Rahn, ist an Darmkrebs erkrankt. Das sagte der 58-Jährige im Interview mit der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Diagnose war für mich natürlich ein Schock. Da der Krebs fortgeschritten
NRW-Oppositionsführer Kutschaty fordert Ende von Armin Laschets "Stop-and-Go-Politik" ...
Kurz vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag dringt die SPD-Landtagsfraktion auf einen klaren Kurs der nordrhein-westfälischen Landesregierung: "Armin Laschet muss seine Strategie überdenken und rauskommen aus dieser Stop-and-Go-Politik. Lock
Weitere Mitteilungen von Rheinische Post
Rheinische Post: Lehren aus Nizza Kommentar Von Martin Kessler ...
Noch ist Frankreich in Trauer vereint, noch beschwören alle die republikanischen Werte, noch nehmen die Menschen die vermeintliche Unabwendbarkeit des Terrors hin. Alles richtig. Aber jenseits der Fassungslosigkeit über die Tat von Nizza beginnt die Debatte, ob wir nicht doch in einem Ausnahme
Der Tagesspiegel: Generalsekretär des Europarats kritisiert Debatte über die Todesstrafe in der Türkei ...
Nachdem am Samstag bereits im türkischen Parlament einige Abgeordnete die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert hatten, sprach sich am Sonntag der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mehrfach dafür aus, darüber Gespräche zu führen. Der Generalsekretär des Europarates Thorbjør
Neue Westfälische (Bielefeld): Aufstand in der Türkei Ein übler Verdacht Carsten Heil ...
Der Aufstand von Teilen des Militärs in der Türkei war wohl eher ein Pütschlein als ein ernstzunehmender Putsch. Wie Amateure sind die Aufständischen vorgegangen. Sie haben sogar so dilettantisch gehandelt, dass ein übler Verdacht aufkommt: Die Ereignisse von Freitagnacht waren so untypisch
Schwäbische Zeitung: Ein Tyrann ist kein Partner - Kommentar zu den Säuberungen von Erdogan ...
Was ist von einem Staatschef zu halten, der von einem Putsch gegen sich als einem Geschenk Gottes spricht? Der den offensichtlich ziemlich schlecht orchestrierten Umsturzversuch dazu nutzt, in seinem Land brutal aufzuräumen? Nichts ist von einem Präsidenten zu halten, der die stetig wachsen




