Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu der Papst in Polen

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(ots) - Jorge Mario Bergoglio ist nicht der erste Papst,
der Auschwitz besucht hat. Sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. war
2006 da, Johannes Paul II. als Papst 1979. Sie sprachen und beteten,
Franziskus schwieg und betete. Dennoch, oder vielleicht gerade
deshalb, setzte der Argentinier ein weiteres starkes Zeichen.
Gesprochen hatte der Pontifex in den Tagen zuvor. Freundlich, aber
deutlich. Unmissverständlich redete er seinen polnischen Zuhörern ins
Gewissen. In diesem katholischen Land haben Abschottungswünsche
Hochkonjunktur - wie in vielen anderen christlich, dort gerne auch
mit dem Zusatz abendländisch benutzt, geprägten Ländern. »Von der
Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in
tragischer Weise menschlich«, zeigte er durchaus Verständnis für
Egoismen. Sich an andere zu verschenken, Distanzen aufzuheben, im
Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben, sei dagegen
in vortrefflicher Weise göttlich. Natürlich richteten sich die Worte
nicht nur an die Polen. Nicht nur an die 1,2 Milliarden Katholiken in
aller Welt. Franziskus' Worte waren an alle Menschen gerichtet. Seid
christlich, nicht christlich geprägt, lautet die Aufforderung des
79-Jährigen. Das Verständnis des Argentiniers für Menschen in Not,
Arme, Flüchtlinge ist nicht nur religiös begründet. Sein Vater
bestieg 1928 in Genua ein Schiff. Er entfloh der sozialen Not, er
suchte ein besseres Leben, eine Zukunft, die dieses Wort auch
verdient. Er tat dies wie damals tausende Menschen aus dem Piemont.
Erst die klaren Worte, dann das Schweigen an dem Ort, an dem sich
Barbarisches ereignet hat. Ein Ort, in dem sich die Ablehnung von
Menschen einer Religion (90 Prozent der Toten in Auschwitz waren
Juden) in viehischer Weise austobte. Ein Ort, in dem Menschen
hungerten, gequält, vergewaltigt, erschossen, gehängt, fabrikmäßig


vergast wurden - oder sich vor Verzweiflung selbst in den
elektrischen Zaun warfen. Bis zu 1,5 Millionen Menschen krepierten
so zwischen 1940 und dem 27. Januar 1945. Auschwitz ist eine ewige
Mahnung. Nicht nur für uns Deutsche. Sondern für alle Menschen. Eine
Mahnung, dass Hass gefährlich ist. Eine Mahnung, dass Hass den
Menschen sehr schnell zum Unmenschen werden lassen kann. Jorge Mario
Bergoglio betete in Auschwitz auch minutenlang in der Todeszelle des
Franziskanerpaters Maximilian Kolbe. Einem Mann, der wie viele, die
sich gegen nationalsozialistische Verbrechen stellten und sich
opferten, von den Nazis als Gutmenschen diffamiert wurden. Der Papst
hat in Polen starke Zeichen gegen den Hass gesetzt. Es bleibt zu
hoffen, dass sie nicht nur verstanden, sondern auch mit Leben erfüllt
werden.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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