Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu Integration/Burka-Verbot: Schleier mit Symbolkraft von Dagmar Unrecht
ID: 1391671
zurückkehrt, hat vielleicht auch die ein oder andere Diskussion über
die deutsche Haltung in der Flüchtlingsfrage hinter sich. In Kroatien
zum Beispiel sprach eine Händlerin in einer Kleinstadt in Dalmatien
von einem "großen Fehler von Frau Merkel", als sie an ihrem Obststand
deutschen Touristen Nektarinen verkauft. Diese Einzelmeinung zeigt
vor allem eines: Der Umgang mit Flüchtlingen und das Thema
Integration beschäftigt Menschen über Landesgrenzen hinweg. Die
Flüchtlingskrise hat Europa verändert. Welche Schlüsse Deutschland
ziehen muss, um den inneren Frieden innerhalb seiner Gesellschaft auf
Dauer zu erhalten, das ist die Gretchenfrage. Integration ist ein
großes Wort. Der Weg dahin kann nur in kleinen Schritten erfolgen.
Wie sensibel das Thema ist, zeigt die hitzige Debatte über
Verschleierungen muslimischer Frauen. Eine Frau, die ihr Gesicht
verhüllt, wirkt in der westlichen Gesellschaft auf viele befremdlich.
Der demokratische Anspruch, liberal und pluralistisch zu sein,
bedeutet aber, dass das Tragen eines Schleiers in unserer
Gesellschaft möglich sein muss. Die Frage ist, in welchem Umfang und
an welchen Orten. Auf Ämtern, bei Polizeikontrollen oder vor Gericht,
wenn es also um die Feststellung der Identität geht, muss jede
strenggläubige Muslima schon heute ihre Verschleierung ablegen. Dafür
braucht es keine neuen Gesetze. Eine entscheidende Rolle spielt aber
die Symbolkraft. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der deutschen
Bevölkerung die Verhüllung, besonders die Vollverschleierung, als
Zeichen für die Unterdrückung der Frau interpretiert. Frauen haben
hierzulande lange für Gleichberechtigung gekämpft und tun es immer
noch, aus gutem Grund. Das ist ein wesentlicher Teil unserer
westlichen Kultur und bildet damit zwangsläufig eine Konfliktlinie
mit der Weltanschauung vieler Menschen aus mehrheitlich muslimischen
Ländern. Je mehr vollverschleierte Frauen in unserer Gesellschaft
präsent sind, umso schwieriger wird es. Einzelfälle sind leichter
tolerierbar. Integration ist auch eine Frage der Dosis. Kulturelles
Empfinden lässt sich nicht über Gesetze verordnen. Daher ist ein
Burka-Verbot keine Lösung. Von einer verschleierten Frau geht keine
reelle Gefahr aus. Wenn eine einzelne muslimische Schülerin mit einem
Gesichtsschleier ins Abendgymnasium geht, ist das keine Bedrohung für
unsere Demokratie. Der springende Punkt ist ein anderer. Die
Verschleierung führt uns kulturelle Unterschiede vor Augen, die per
Gesetz nicht überbrückbar sind, weil sich Wertvorstellungen nicht
allein über die Verfassungsordnung regeln lassen. Rund vier Millionen
Muslime leben in Deutschland. Sie gehören unterschiedlichen
Glaubensrichtungen an und sind mal mehr, mal weniger religiös. Es
gibt eine ganze Reihe muslimischer Verbände und islamischer
Gruppierungen, ein einheitliches offizielles Sprachrohr existiert
aber nicht. Das Fehlen einer klaren Stimme aus der muslimischen Welt
Deutschlands ist problematisch, wenn es darum geht, Stellung zu
beziehen. Was in den deutschen Moscheen gepredigt wird, dringt kaum
in die deutsche Öffentlichkeit. Doch genau da gehört es hin, um einen
offenen Dialog und auch eine Auseinandersetzung zu ermöglichen. Beim
Thema Integration kommt den muslimischen Organisationen in
Deutschland daher eine Schlüsselrolle zu. Ihre Vertreter sollten
ihren Einfluss nutzen und Brücken zwischen den Kulturen schlagen.
Gelingen kann ein friedliches Zusammenleben trotz unterschiedlicher
Wertvorstellungen nur in einer starken und stabilen Gemeinschaft.
Kulturelle Differenzen werden dennoch bleiben.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.08.2016 - 19:37 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1391671
Anzahl Zeichen: 4147
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 340 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu Integration/Burka-Verbot: Schleier mit Symbolkraft von Dagmar Unrecht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Mitteldeutsche Zeitung: zu Vorschläge der Grünen zum Kohle-Ausstieg ...
Nun versuchen die oppositionellen Grünen, das Thema mit einem Ausstiegs-Fahrplan ins Zentrum der der politischen Auseinandersetzung zu rücken. Dort gehört es hin. Klare Beschlüsse zu einem langfristigen Ausstieg wären im Interesse betroffener Firmen und ihrer Beschäftigten. Sie bekämen Pla
Mitteldeutsche Zeitung: zum Urteil gegen Gina-Lisa Lohfink ...
Erst die Strafe, dann das Urteil, dann die Anklage und erst am Ende die Frage, ob das Verbrechen überhaupt begangen worden ist. Das ist pervers und totalitär, und doch hätte es sich im Fall Gina-Lisa Lohfink so abgespielt, wenn es nach dem Willen einiger Medien und Politikerinnen von SPD und
Rael: "Verlegt das UNO-Hauptquartier nach Okinawa!" ...
"Die Bewohner von Okinawa sollten die Vereinten Nationen dazu einladen, von New York nach Okinawa umzuziehen," sagte er anläßlich der raelistischen Neujahrs-Feier am 6. August vor einer Versammlung von Japanern in Okinawa. "Das UNO-Hauptquartier in New York zu haben, heißt, es in e
Frankfurter Rundschau: Zweifel an Glaubwürdigkeit ...
Lohfink hatte Geschlechtsverkehr mit zwei Männern, die den Sex filmten. Die Männer wurden wegen der Verbreitung der Aufnahmen belangt, aber Lohfink verlangte auch ihre Verurteilung wegen Vergewaltigung. Von Anfang an waren Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit geboten. Ihre "Hört-auf"-Ru




