Allg. Zeitung Mainz: Kirchen-Popstar Mutter Theresa
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einfache Zeiten. Kaum noch Priesternachwuchs in Europa, immer noch
viele Kirchenaustritte, und irgendwie ist der Überraschungseffekt,
den Papst Franziskus noch zu Beginn seiner Amtszeit hatte, zur
Normalität geworden. Und so ist auch das "Heilige Jahr der
Barmherzigkeit" fast unbemerkt vorbeigegangen. Doch Franziskus wäre
nicht Franziskus, hätte er dann nicht doch noch seinen
Publikumsmagneten und einzig verbliebenen Superstar der katholischen
Kirche ins Rampenlicht gerückt: Mutter Teresa. Schon bei ihrer
Seligsprechung pilgerten Hunderttausende Katholiken nach Rom. Nun
also ist die aus Albanien stammende Ordensfrau eine Heilige. In
Franziskus` Bild von Kirche passt sie wie keine andere, ging sie doch
aus den reich geschmückten katholischen Bauten hinaus zu den Armen
Kalkuttas. Mutter Teresa liebte barmherzige Gesten und ist Franziskus
damit ähnlicher als aktuelle Vertreter der Katholiken. Sie küsste
Leprakranke, gab ihnen ein Dach über dem Kopf, wo sie sonst als
Aussätzige behandelt wurden. Barmherzigkeit, ja. Die hat sie
natürlich vorgelebt. Doch steht die Frage im Raum, ob die Grenzen
hatte. Die Geister scheiden sich an ihrer offenbaren Faszination für
Armut. Kritiker werfen ihr vor, zig Millionen Spenden nie dafür
genutzt zu haben, den Standard in ihrem Krankenhaus zu steigern. Doch
letztlich bedeutet Nächstenliebe im Christentum auch, anderen aus
Armut herauszuhelfen. Bei aller Verehrung, sie hätte
Lebenswirklichkeiten viel intensiver ändern können. Ihren durchaus
vorhandenen politischen Einfluss nutzte sie jedoch nie, blieb in der
Rolle der Pflegerin. Ein Schatten hinter dem Heiligenschein.
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Datum: 04.09.2016 - 19:51 Uhr
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