Bottermann (DBU): "Wir sind in gewisser Weise dabei, die Welt aus ihren Angeln zu heben"
ID: 1423760
anlässlich der Münchner Wissenschaftstage
"Unser moderner Lebensstil sorgt dafür, dass wir die natürlichen
Verhältnisse in den Gewässern und Erdsystemen sehr stark verändern.
Wir haben sie bereits so massiv umgewandelt, dass kaum noch
natürliche Lebensräume existieren. Wir nutzen intensiv das Wasser.
Wir produzieren neue Substanzen, die in die Erdsysteme gelangen. Und
wir verteilen permanent Stoffe auf der ganzen Erde. Wir manipulieren
die Erdsysteme so stark, dass wir in gewisser Weise dabei sind, die
Welt aus ihren Angeln zu heben." - Mit diesen Worten mahnte heute Dr.
Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt (DBU), anlässlich der Münchner Wissenschaftstage zum Thema
Wasser dazu, die genutzten Ressourcen der Erde und die auf ihr
produzierten Stoffe besser zu managen.
Alles Leben auf der Erde abhängig vom Wasser
Bottermann wies darauf hin, dass alles Leben auf der Erde abhängig
vom Wasser sei. Es sei das wichtigste Lebensmittel und werde im
Haushalt, für die Landwirtschaft und in der Industrie benötigt. Die
Wasserlebensräume auf der Erde seien miteinander verbunden. Im Ozean
sorgten die großen Meeresströmungen dafür, dass es zu einem
weltweiten Austausch von Wasser komme. Das Beispiel Wasser zeige,
warum Forscher vom System Erde sprechen würden. Bottermann: "Denn
alles hängt mit allem zusammen." Beispielsweise puste der Mensch
Klimagase in die Luft, die die Ozeane versauerten und die
Meeresspiegel ansteigen ließen. Bottermann: "Oder wir setzen in so
großem Umfang Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor in der
Landwirtschaft ein, dass diese die Gewässer gleich mitdüngen. Doch
die Gewässer brauchen die Nährstoffmengen nicht! Ja - sie vertragen
diese großen Massen noch nicht einmal besonders gut."
Nicht noch mehr Todeszonen in Süßgewässern und Meeren
Deshalb sei es ausgesprochen wichtig, dass Forscher zu berechnen
versuchten, welchen Grad der Versauerung der Meere nicht
überschritten werden sollten, damit das Ökosystem einigermaßen
funktionsfähig bleibe. Oder wie viel Stickstoff und Phosphor die
Gewässer vertrügen, ohne dass noch mehr so genannte Todeszonen in
Süßgewässern und Meeren entstehen, die frei von Sauerstoff sind, so
dass dort kein Leben mehr möglich ist. Bottermann: "Denn nur, wenn
möglichst viele Menschen ein Verständnis von der Funktionsweise der
Erdsysteme und von der Bedeutung des Wassers erwerben, können wir die
Erkenntnisse der Forscherinnen und Forscher gemeinsam umsetzen."
Fachlicher Austausch über bedeutende Lebensquelle Wasser liegt DBU
"besonders am Herzen"
Auch bei anderen globalen Problemen wie etwa dem Klimawandel gehe
es darum zu berechnen, "wie viel von unserer Lebensweise die
Erdsysteme eigentlich noch vertragen" und welchen Temperaturanstieg
"wir uns weltweit noch leisten können, ohne dass das Erdsystem
kippt". Bottermann: "Denn wenn das Erdsystem kippt, besteht die
Gefahr, eine Dynamik auszulösen, in der sich die Systemveränderungen
nahezu unaufhaltbar selbst verstärken." Deshalb habe die DBU gerne
die 16. Münchner Wissenschaftstage zum Thema "Wasser" gefördert, weil
ihr "der fachliche Austausch über diese bedeutende Lebensquelle
besonders am Herzen liegt".
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Datum: 12.11.2016 - 19:00 Uhr
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