Allg. Zeitung Mainz: Böser Schein / Kommentar zu Parteien und Geld / Von Reinhard Breidenbach
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Dass rückhaltlos aufgeklärt wird, ist das Mindeste. Ob das hilft,
einen riesigen Vertrauensschaden abzuwenden, ist fraglich. Denn die
Fakten sind scheußlich. Dass womöglich nichts Illegales geschehen
ist, macht die Sache nicht besser. "Nicht illegal" heißt noch lange
nicht "honorig". Vorab so viel: Geld ist Charaktersache, völlig
unabhängig von politischer Couleur; jede Partei hatte schon ihre
Affären. Ferner: Geld kann einen Charakter nur dann verderben, wenn
er vorher im Kern schon angemodert war. Vorab auch dies: Ja, es gibt
Schieflagen. Die meisten Ärzte bekommen x-Mal so viel wie eine
Pflegekraft, Dax-Vorstandschefs das 20-fache des Kanzlerinnengehalts.
Von Fußballer-Gagen gar nicht zu reden, das ist eine eigene Welt. Das
alles aber darf für niemanden Grund sein, gierig jeden Anstand über
Bord zu werfen. Parteien und Politiker werden aus dem Steuersäckel
ganz gut versorgt, wobei der oft gescholtene Bundestag in Relation zu
manch überraschend stattlichem Landtagssalär im
Leistungs/Entgelt-Verhältnis bescheiden daherkäme - wären da nicht
enorme Nebenbeschäftigungschancen, die in der Spitze auch mal
siebenstellig werden. Politiker sollen für die Bürger arbeiten, dafür
werden sie vom Geld der Bürger bezahlt. Wie jemand dann nebenbei noch
so viel leisten kann, dass er siebenstellig honoriert wird -
frappierend, genauer: ein Unding. Auch wenn es altmodisch klingt und
bei manchem bitteres Lachen hervorruft: Parteien und Politiker müssen
ehrenwerte Vorbilder sein. Dazu zählt allem voran, nicht mal den - im
doppelten Wortsinn - bösen Schein der Käuflichkeit aufkommen zu
lassen.
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Datum: 23.11.2016 - 19:53 Uhr
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