Mittelbayerische Zeitung: Renzis Zitterpartie: Ein Ja zur Verfassungsreform wäre ein Gewinn für It

Mittelbayerische Zeitung: Renzis Zitterpartie: Ein Ja zur Verfassungsreform
wäre ein Gewinn für Italien - und für Europa. Von Julius Müller-Meinigen

ID: 1432169
(ots) - Seit etwa 35 Jahren gibt es konkrete Pläne, das
umständliche parlamentarische System in Italien zu verändern.
Abgeordnetenhaus und Senat in Rom sind gleichberechtigte Kammern,
Gesetze pendeln vor ihrer Verabschiedung bis zu dreimal hin und her.
Regierungen sind auf das Vertrauen beider Parlamentskammern
angewiesen. Weil diese aber mit verschiedenen Systemen gewählt
werden, kämpft die Exekutive seit jeher mit unterschiedlichen
Mehrheiten. Auch deshalb brachte es Italien in den vergangenen 70
Jahren auf stolze 63 Regierungen. Die Italiener können diesem Leid am
kommenden Sonntag beim Referendum über die Verfassungsreform ein Ende
bereiten. Ein Ja zur Reform wäre auch ein Gewinn für Europa.
Jahrelang waren sich die politischen Kräfte einig, dass das
Zweikammersystem die drängenden Reformen erschwert. Einzelinteressen
verhinderten aber den großen Wurf. Stimmten die Italiener am Sonntag
für die Verfassungsreform der Mitte-Links-Regierung von
Ministerpräsident Matteo Renzi, würde Italiens Politik an Stabilität,
Kontinuität und Effizienz gewinnen. Der Senat soll künftig in etwa
die Rolle des deutschen Bundesrates übernehmen. Die Bundesrepublik
hat gute Erfahrungen mit ihrem parlamentarischen System gemacht.
Warum soll es Italien nicht ebenso gehen? Die Gegner von
Ministerpräsident Matteo Renzi erkennen in der Abstimmung eine ganz
andere Chance. Sie hoffen, den 41-jährigen Premier loszuwerden, und
könnten mit diesem Ansinnen durchaus Erfolg haben. Renzi hat die
Verfassungsreform mehrfach als Kern seiner Reformpläne bezeichnet,
eine Niederlage beim Referendum wäre auch eine persönliche Schmach.
Ironischerweise hat sich Renzi diesem Risiko ohne Not selbst
ausgesetzt. Beide Parlamentskammern hatten der Verfassungsreform
bereits in letzter Lesung zugestimmt. Der Premier und seine Berater
veranlassten im April aber die Volksabstimmung, weil sie angesichts


guter Umfragewerte vom Plazet der Italiener überzeugt waren. Mehr
noch, Renzi versprach sich vom sicher geglaubten Ja der Italiener
einen zusätzlichen Schub für seine Politik. Dieser Plan droht zu
scheitern. Die jüngsten Umfragen haben gezeigt, dass die Gegner der
Reform in der Überzahl sein könnten. Nach dem ehemaligen britischen
Ministerpräsidenten David Cameron könnte Renzi der zweite europäische
Regierungschef sein, den eine politische Wette das Amt kostet.
Cameron setzte die Brexit-Abstimmung im Juni aus Kalkül an, weil er
überzeugt davon war, die Briten würden für den Verbleib in der EU
stimmen. Renzi kalkulierte ähnlich riskant. Volksabstimmungen, so
lautet die Lehre, dürfen nicht aus politischem Kalkül missbraucht
werden. Renzi kämpft nun um seine politische Existenz. Sollte er
wider Erwarten als Sieger aus der Abstimmung hervorgehen, ist dennoch
nicht alles im Lot. Die veränderte Verfassung macht das Regieren
künftig einfacher, der Regierungschef benötigt künftig nur noch das
Vertrauen des Abgeordnetenhauses. Da das neue italienische Wahlgesetz
die Bildung von Koalitionen ausschließt und den eindeutigen Sieg
sogar per Stichwahl zuerkennt, bekommt die Rolle des Premiers künftig
extremes Gewicht. Dass Renzi überschnappt, ist nicht zu erwarten.
Doch die Alternativen sind unwägbar. Italien hat Benito Mussolini und
Silvio Berlusconi erlebt. Man kann wohl von Glück reden, dass sich in
naher Zukunft mit Beppe Grillo und seiner 5-Sterne-Bewegung nur ein
Komiker anschickt, Italien zu verändern. Auch Extremisten hätten
leichteres Spiel. Renzi muss deshalb im Falle der Bestätigung der
Verfassungsreform dringend das erst vor Monaten verabschiedete
Wahlgesetz wieder ändern. Setzen sich die Gegner der Reform durch,
sind viele Szenarien denkbar. Ein Rücktritt Renzis wäre
wahrscheinlich. Darüber, wie sehr die italienische und auch die
europäische Wirtschaft von politischen Wirren in Rom in
Mitleidenschaft gezogen würden, kann nur spekuliert werden. Von
stabilen Verhältnissen sind die Wirtschaft und das Bankensystem in
Italien jedenfalls weit entfernt.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Donald Trumps designiertem Verteidigungsminister: Beruhigend, von Thomas Spang Westfalen-Blatt: zu Trumps Personalentscheidungen
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.12.2016 - 20:49 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1432169
Anzahl Zeichen: 4632

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Außenhandel



Diese Pressemitteilung wurde bisher 499 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Renzis Zitterpartie: Ein Ja zur Verfassungsreform
wäre ein Gewinn für Italien - und für Europa. Von Julius Müller-Meinigen
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


neues deutschland: Hollandes Kandidatur-Verzicht: Lieber Rückzug als Blamage ...
Dass ein Präsident am Ende seiner Amtszeit von sich aus darauf verzichtet, für eine zweite zu kandidieren, hat es in der Fünften Republik, also seit 1958, noch nie gegeben. Damit war auch nicht zu rechnen. Bis zuletzt schien François Hollande davon überzeugt, dass er eine gute Bilanz vorzuwe

Europa einmal anders - 60 Experten diskutieren die Zukunft des Kontinents beim DOC ...
Am 1. Dezember hielt das Forschungsinstitut Dialog der Zivilisationen (DOC) seine erste Konferenz in seinen neuen modernen Räumen unweit der Friedrichstraße ab. Die Ansichten über die Zukunft europäischer Sicherheitspolitik des heutigen Europas und seinen Nachbarn bei der Konferenz ´Cor

Lausitzer Rundschau: Ordentlich gerupft Die Einigung bei der Maut ...
Deutlich geringere Sätze, eine breitere Spreizung der Tarife, auch ohne Mathe-Leistungskurs wird man zu dem Ergebnis kommen, dass sich das alles negativ auf die Maut-Einnahmen auswirken wird. Selbst wenn der in Brüssel gefundene Kompromiss verspricht, dass es bei den 500 Millionen Euro bleibt.

Lausitzer Rundschau: Jahresendhoffnung Putins Rede an die Nation ...
Für deutsche Augen ist es ein irritierendes Schauspiel, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin alle Jahre wieder seine Rede zur Lage der Nation hält. Da sitzen 1000 Würdenträger, vom Kirchenfürsten bis zum Notenbanker, und lauschen den Worten des Kremlherrschers. In Deutschland hat man sich


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z